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Interview mit Alban Lakata, Ausgabe Mai 2011

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„Ich habe lieber meine Ruhe“

Alban Lakata: Spätstarter, Vorzeigeathlet, Perfektionist, tiroler Kraftpaket, Naturbursche, Weltmeister!

Wohl niemand hat im Jahr 2000, als Alban Lakata bei einem Urlaub am Gardasee die Liebe zum Mountainbike entdeckte, daran gedacht, dass die Farben des Regenbogens einige Jahre später den Körper des gelernten Hafners aus Lienz zieren würden. Anlass genug für ein ausführliches Interview mit dem Albanator:

© Armin M. Küstenbrück_GER_StWendel_MX_WCh_ceremony_men_Celestino_Lakata_stander_1

Interview: Maria Kumric

Alban, was sind deiner Meinung nach die drei wichtigsten Faktoren um im Radsport erfolgreich zu sein?

Du brauchst auf alle Fälle Talent, aber auch Zielstrebigkeit steht ganz oben. Natürlich muss auch das persönliche Umfeld stimmen – das halte ich für ganz wichtig.

Glaubst du, dass mit harter Arbeit im Sport alles möglich ist oder sind deiner Meinung nach körperliche Voraussetzungen entscheidend?

Körperliche und mentale Voraussetzungen müssen natürlich gegeben sein, aber ohne Fleiß und Ehrgeiz geht es auch nicht.

Welchen Stellenwert hat Ernährung für dich?

Ich versuche mich das ganze Jahr über so gesund als möglich zu ernähren. Das ist natürlich nicht immer ganz einfach, es gelingt mir allerdings besser je näher mein Saisonziel kommt.

Als Sportler fühlt man ja gleich nach dem Aufstehen, wie die ungefähre Tagesverfassung aussieht. Hast du ein “Geheimrezept”, um auch an “schlechten Tagen” gute Leistungen bringen zu können?

Da sind wir bei dem Punkt Zielstrebigkeit! Manchmal täuscht das Gefühl am Morgen auch. Ich denke erst mal an ein gutes Frühstück und dann sieht die Welt oft gleich anders aus. In diesem Fall vielleicht das Training auf den Nachmittag verlegen. Oft sind es gerade diese Tage, die einen weiter bringen.

 

„Mir machen Skitouren sehr viel Spaß und ich kann endlich mal was mit meinen Freunden zusammen machen.“

 

Wie bereitest du dich im Winter für die nächste Saison vor? Sind Skitouren für dich ein würdiger Ersatz zum Training am Rad?

Ich ziehe es im Winter vor auch mal etwas anderes zu machen, als nur am Rad zu sitzen. Da unsere Rennsaison mit acht Monaten eigentlich eh schon sehr lang ist, ist nicht viel Zeit für alternative Sportarten übrig. Skitouren kommen mir da gerade recht um ein bisschen Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen. Mir machen Skitouren sehr viel Spaß und ich kann endlich mal was mit Freunden zusammen machen. Dazu trainiert man ähnliche Muskeln wie beim Radfahren und damit geht der Transfer der Kraftausdauer aufs Rad um einiges schneller. Ich denke es ist mit Sicherheit besser als stundenlang am Ergometer zu sitzen.

© Armin M. Küstenbrück Cape EpicDas Cape Epic wird als das schwerste und härteste Etappenrennen weltweit bezeichnet. Du und dein Partner Kevin Evans konntet ja diese Rennserie in der vergangen Saison mit dem ausgezeichneten dritten Rang abschließen. Was reizt dich, an diesem Rennen teilzunehmen?

Letztes Jahr hatten wir einen tollen Start. Wir haben die erste Etappe gewonnen und danach noch weitere Podiumsplätze eingefahren. Wir haben durch Defekte einiges an Zeit eingebüßt und dann wurde leider mein Gesundheitszustand von Tag zu Tag schlechter. Bis ich am Ende die letzten zwei Tage sogar mit Fieber gefahren bin. Es wäre also ein noch besseres Resultat möglich gewesen. Aber der Reiz ist ganz klar die Härte des Rennens!

Würdest du es eher als Vor- oder Nachteil ansehen zu zweit bei einem Etappen-Rennen, wie dem Cape Epic, zu starten?

Auf jeden Fall sehe ich das als Nachteil. Normalerweise sind alle Rennen solo zu fahren. Warum muss man dann durch so eine Regel ein so schweres Rennen noch schwerer machen…

Warum hast du dich fürs Mountainbike und gegen das Rennrad entschieden?

Es hat sich für mich nie die Gelegenheit ergeben in den Straßensport einzusteigen. Ich habe damals mit dem Biken begonnen und die Frage hat sich mir bisher nicht wirklich gestellt.

Bei der Tour de France fahren immer wieder Ex-Mountainbiker im Gesamtklassement vorne mit – würde dich die Herausforderung Tour auch reizen?

Ja natürlich. Aber dazu muss man sich natürlich ganz auf die Straße konzentrieren. Man kann nicht mal kurz im Juli zur Tour de France und davor und danach Mountainbike Rennen bestreiten.

 

„Dann wäre ich ja Favorit auf eine Olympiamedaille…“

 

Würdest du dir wünschen, dass der Mountainbike Marathon eine olympische Disziplin wird?

Ja logisch, dann wäre ich ja Favorit auf eine Olympiamedaille. Da hätte ich als Marathon-Spezialist natürlich bessere Chancen als im Cross Country.

Bei deiner Heim-WM in Stattegg (2009) schnappte dir Roel Paulissen, der kurz darauf des Dopings überführt wurde, die Goldmedaille weg. Was geht einem da durch den Kopf?

Er wurde ja nicht bei der WM positiv getestet sondern fast ein Jahr später. Bei der WM waren alle Tests negativ. Aber der Ärger wäre groß gewesen, wenn er in Graz positiv gewesen wäre. Auch wenn man vielleicht Monate später die Goldene bekommt fühlt man sich trotzdem nicht als Sieger. Ich habe es damals selbst in der Hand gehabt, den Titel zu gewinnen – jedoch durch einen Defekt zu viel Zeit verloren.

Wie ist es für dich in einer Sportart weltspitze zu sein, die in Österreich wenig mediale Bedeutung hat. Würdest du dir nicht auch mehr Präsenz erhoffen bzw. erwarten?

Also mir ist das zum Glück ziemlich egal. Ich habe lieber meine Ruhe und mache das was ich wirklich gut kann, und das ist Mountainbiken. Ich bin kein Großredner und habe auch nicht die nötige Zeit und Energie mich tagtäglich mit medialen Tätigkeiten zu beschäftigen. Ich habe auch so ein gutes Leben und wüsste nicht, was mir mehr mediale Präsenz bringen würde.

Wie schätzt du die momentane Radsport-Situation (im speziellen Mountainbike) in Österreich ein? – Du fährst ja für ein deutsches Team. Woran hapert es in Österreich?

In Österreich gibt es andere wirtschaftliche Interessen, wie z.B. Wintersport. Es gibt zwar österreichische Fahrradproduzenten, jedoch haben diese Firmen vermutlich nicht das nötige Budget um ein großes Mountainbike- oder Straßenteam zu gründen. Wichtig ist es für Teams Fahrer aus verschiedenen Nationen zu haben, dann haben die Sponsoren in mehreren Ländern Aufmerksamkeit.

Bei der Marathon WM 2010 in St. Wendel verliefen die ersten zwei Drittel des Rennens ja nicht gerade so wie du es dir wahrscheinlich vorgestellt hast. Was ging dir durch den Kopf, als du an die Spitzengruppe anschließen und dich dann auch noch 10km vor dem Ziel absetzen konntest. Sahst du den Titel bereits vor dir?

Ich war an diesem Tag sehr nervös und mein Kopf und meine Beine waren in der ersten Rennhälfte wie blockiert. Also habe ich mich entschieden, meinen Rhythmus zu fahren. Nach 2 Stunden konnte ich endlich meinen Tritt finden und auf die Spitzengruppe wieder Boden gutgemacht. Eine Medaille hatte ich aber zu keinem Zeitpunkt abgeschrieben. Am Tag vor dem Rennen habe ich mir die Stelle meiner Attacke kurz vor dem Ziel genau angeschaut, weil ich schon mit so einem Rennverlauf gerechnet hatte. Es ist dann wirklich so gekommen wie ich es mir vorgestellt habe und ich konnte zum Glück ein paar Sekunden ins Ziel retten.

Wie viel Anstrengung und Arbeit war notwendig, um MTB-Marathon-Weltmeister zu werden?

Jedes einzelne Training und jede einzelne Entbehrung waren dazu notwendig. Tägliches, gezieltes trainieren und auf viele Dinge verzichten, das gehört in dieser Sportart dazu. Zwei bis drei Wochen im Jahr kann ich machen was ich will, aber dann heißt es wieder trainieren.

Was hat für dich in deiner bisherigen Karriere den größeren Stellenwert: Der Weltmeistertitel oder die Führung in der UCI Weltrangliste?

Natürlich der Weltmeistertitel. Die Weltrangliste hat derzeit keine so große Bedeutung für mich. Je mehr Rennen man fährt, desto mehr kann man Punkten. Bei der WM kommt es aber darauf an, an diesem speziellen Tag seine Leistung abzurufen.

Was sind deine Ziele für diese Saison?

Ein Ziel ist die Titelverteidigung meines WM Titels. Auch möchte ich mich in Zukunft mehr auf die olympische Disziplin Cross Country konzentrieren, um eventuell die Qualifikation für Olympia 2012 zu schaffen.

Wie möchtest du dabei genau vorgehen?

Ich fahre in dieser Saison schon einige Cross Country Rennen mehr als in den vorigen Saisonen. Auch habe ich mein Training umgestellt. Und nächstes Jahr konzentriere ich mich am Saisonbeginn auf die Qualifikation.

Biken und Natur sind untrennbar miteinander verbunden. Bist du ein Naturmensch?

Auf alle Fälle. Ich bin gern in der Natur und wohne auch im Grünen. Ich trainiere viel lieber im Freien als stundenlang am Ergometer.

Was möchtest du jungen Radsportlern mit auf den Weg geben?

Nie aufgeben! Immer hart trainieren wenn man an die Spitze will. Dazu zählt jedes einzelne Rennen. Man steigt bei keinem Rennen aus, nur weil man heute mal keine Lust dazu hat oder es nicht so läuft wie man es gerne hätte.

Danke für´s Interview und viel Erfolg in der Saison 2011!

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