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GRENZERFAHRUNG AM DACH DER WELT

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Andreas Hartman erzählt vom „Hero MTB Himalaya“

Text und Interview: Matthias Grick

 

Der Bayer Andreas Hartman folgte 2014 – zusammen mit seinem Salzburger  Teamkollegen, Manuel Weissenbacher, der Einladung nach Indien zum MTB Himalaya Etappenrennen.  Die Ambitionen der deutschsprachigen Fahrer auf einen Spitzenplatz absolut realistisch. Allerdings gestaltete sich die Anreise schon als extrem kräftezehrend. Mit dem Auto ging es zwölf Stunden lang von Delhi in Richtung Norden, zum Startort Shimla, in der Region Himachal Pradesh, am Fuße des Himalaya- Gebirges. Für Hartman, Weissenbacher eine Reise ins Ungewisse.

 

(c) Samir Azad
(c) Hastpa

 

Sieben Etappen auf einer Maximalhöhe von 3200 Metern über dem Meer. Eine Höhe, in der die Luft schon ganz schön dünn wird. Das MTB Himalaya Etappenrennen war auch bei der zehnten Auflage nichts für schwache Lungen. Die Rahmenbedingungen im indischen Nirgendwo, verlangten ebenso starke Nerven, wie einen starken Magen.

Hartman: „Vor allem auf die indischen Standards waren wir Europäer nicht eingestellt. Alle Speisen waren extrem gewürzt und ungewohnt scharf. In Kombination mit dem Radrennen war das meinem Magen nicht wirklich geheuer. Das Einzige was ich so halbwegs zu mir nehmen konnte, war Reis. Der war zumindest nur mit Kreuzkümmel gewürzt. Zum Glück konnten wir für in der Früh vor dem Rennen, Müsli auftreiben. Die einheimischen Fahrer aßen auch zum Frühstück scharfe Chili-Brote.“

„Die einheimischen Fahrer aßen auch zum Frühstück scharfe Chilli-Brote“

Den Anblick der großen schneebedeckten Dreitausender, sowie generell die Weite der unberührten Landschaft, schilderten die Fahrer als ein ganz besonderes Naturerlebnis, die Etappen jedoch hart und ständiges Anschlagfahren und Schlafen auf über 2.000 Metern eine Tortur für den Körper.

Hartman versetzt sich ins Rennen zurück: „Ach es schmerzte einfach jeder Kilometer. Zum einen wegen der enormen Höhe, zum anderen wegen dem losen Untergrund, gespickt mit spitzen Steinen. Wie durch ein Wunder hatte ich keinen einzigen Reifendefekt.“

(c) Samir Azad
(c) Hastpa

„Es schmerzte einfach jeder Kilometer“

 

Tag Eins begann für die deutschsprachigen Starter vielversprechend. Zusammen mit dem Favoriten, Cory Wallace (Team Kona) aus Kanada, bildeten Hartman, Weissenbacher und Krenn die Spitzengruppe. Als der Kanadier zum Ende hin attackierte konnte nur Hartman folgen, jedoch endete die Fahrt am Hinterrad des Führenden mit einem Sturz und Hartman erreichte das Ziel als Tageszweiter. Weissenbacher kam auf Rang drei ins Ziel. Krenn belegte zwar noch Platz vier, musste aber im Anschluss mit einem Infekt und Fieber aus dem Rennen aussteigen. Am zweiten Tag setzte Hartmann alles auf eine Karte, attackierte früh und führte bis zum letzten Anstieg.

Hartman: „ Dort gingen mir bei 45 Grad die Lichter aus. Irgendwie quälte ich mich noch mit meinem Teamkollegen ins Ziel. Zu diesem Zeitpunkt war aber leider schon klar, dass der Gesamtsieg weg ist.“

Der kanadische Meister und Spezialist für Abenteuerrennen, Wallace, schaffte es, unangefochten, alle Tagesetappen für sich zu entscheiden. Weissenbacher und Hartmann versuchten die letzten Tage zusammen zu fahren, um die Ränge zwei und drei nach hinten abzusichern. Was auch gelang, jedoch tauschten die beiden noch die Plätze im Gesamtklassement.

Hartmann: „Ich verlor Gesamtrang zwei in einer mit Preisgeld dotierten Downhillwertung. Es war mir einfach zu gefährlich, also fuhr ich nicht am Limit. Ich machte trotzdem Bekanntschaft mit Gegenverkehr und landete unsanft im Straßengraben. Der Rückstand im Ziel war auch der, der mir auf Manuel in der Gesamtwertung schließlich fehlte.“

Die restlichen Tage kämpften die Fahrer hauptsächlich mit der Regeneration beim Schlafen auf ungewohnten Höhen im kleinen Zelt und weiterhin mit dem Speiseplan.

Hartman: „An einem Tag freute ich mich, als ein neuer Topf am Tisch stand. Als ich einen Blick hineinwarf sah ich Fischköpfe. Ich traute mich nicht wirklich zuzugreifen, auch nicht beim Ziegenfleisch, nachdem ich beobachtet hatte, wie das Vieh am Boden zerlegt wurde.“

Beim Rennverlauf tat sich nichts mehr, auch wenn die Teamkollegen am letzten Tag alles für einen Etappensieg unternahmen. In Führung liegend mussten Hartman und Weissenbacher stoppen, um erste Hilfe zu leisten.

„In Führung liegend mussten Hartman und Weissenbacher stoppen, um erste Hilfe zu leisten.“

Hartmann: „Plötzlich sahen wir ein Rad am Straßenrand. Beim Blick von der Straße über die Felskante hinunter sahen wir einen Biker liegen. Wir kletterten zu ihm, brachten ihn zurück zur Straße hoch und leisteten erste Hilfe. Zum Glück war nur das Schlüsselbein gebrochen. Als wir ihn soweit erstversorgt hatten, waren schon andere Leute vor Ort und wir setzten unsere Fahrt fort. Es sollte allerdings noch Stunden dauern, bis ein Geländewagen den Weg zum Verunglückten fand.“

 

10th Hero MTB Himalaya 2014-Pictures by AkashDeep-HASTPA
(c) Hastpa

 

Die letzte Etappe wurde nach diesem Ereignis aus der Wertung genommen. Wallace siegte vor Weissenbacher und Hartmann bei der zehnten Auflage des MTB Himalaya. Die Strapazen des Rennens begleiteten Hartman bis nach Hause und zogen nachwirkend einen Kurzaufenthalt im Krankenhaus wegen Überbelastung nach sich.

Hartman: „Ob ich im nächsten Jahr wieder teilnehme ist noch ungewiss. Das Ereignis am letzten Tag hat mich doch etwas zum Nachdenken gebracht. Wenn ich starte, dann mit einem Bauernbrot und einem ‚Reanken‘ Speck im Gepäck.“

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