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SALZKAMMERGUT || IM HERZEN DER “TROPHY”

SALZKAMMERGUT || IM HERZEN DER “TROPHY”
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Ein Reisebericht von Moritz und Reinhard Bscherer: Die “Trophy”, wie die Salzkammergut Trophy von den Einheimischen kurz genannt wird, ist mit ihrer Extremstrecke von 7.119 hm verteilt auf 211 km und verschiedensten kürzeren Distanzen seit nunmehr 19 Jahren jedem Mountainbiker ein Begriff. Mit mehr als 4.000 Bikern aus über 40 Nationen zählt sie zu den bedeutendsten Mountainbikeveranstaltungen Europas. Die Region hat diesen Spirit aufgenommen und bietet auch abseits der Großveranstaltung ein umfangreiches Angebot für Tourenbiker aller Leistungskategorien. Knapp 1.500 erschlossene Mountainbikewege stehen im Salzkammergut zur Verfügung. Über 70 glasklare Seen und unzählige urige Hütten sorgen für tolle Ausblicke.

 

Der Ausgangspunkt – die Unterkunft.

Für die Erkundung der Region haben wir uns im Landhotel Agathawirt einquartiert, einem vor 500 Jahren erbauten und wunderschön erhaltenen Kulturdenkmal. Die geräumigen Zimmer befinden sich in einem Zubau jüngeren Datums, ebenso das überdachte Freibad und der Wellnessbereich, alles mit Blick in den Obstgarten und auf die Berge ringsum. Der heute als Mountainbike- und Wanderhotel spezialisierte Betrieb liegt am Rande von Bad Goisern und nicht zufällig führen einige Mountainbikerouten direkt vom Hotel weg. Der Chef des Hauses fährt in der raren Freizeit auch mal selbst für eine Stunde auf den Berg rauf und hat das vielfältige Angebot im Restaurant sehr gut auf die Bedürfnisse von Sportlern abgestimmt.

 

Durch die direkte Lage an der Dachsteinrunde, der laut Auskunft des lokalen Guides, meistbefahrenen Mehrtagesrunde der Ostalpen (meist 3 Etappen mit Gepäcktransfer), biete sich das Hotel auch als Ausgangspunkt bzw. Etappenort an.

 

Wir freuen uns über die beiden gut versperrten Radgaragen direkt neben dem Parkplatz und finden genügend Platz für unsere Räder. Da wir neben weiteren Absperrmöglichkeiten, umfangreichem Werkzeug und diversen Utensilien für die Radwäsche alles vorfinden, lassen wir unsere Sachen im Kofferraum. Ja, sogar ein Kompressor für die Tubeless-Montage steht bereit. Ersatzteile, wie diverse Fahrradschläuche und die gängigen Bremsbeläge sind an der Rezeption erhältlich. Wird mehr benötigt, sucht man die Bikeshops im Ort oder in der nahen Umgebung (Bad Aussee und in Bad Ischl) auf. Der Bikers-Corner neben der Rezeption lädt ein mit verschiedensten Mountainbikezeitschriften, einer gemütlichen Sitzecke auch umfangreichem Kartenmaterial und Tourenbeschreibungen, sowie einem PC für den Download der GPS-Daten. Für weitere Informationen steht das Hotelpersonal zu Verfügung.

 

Agathawirt
Das 3* Hotel Agatha-Wirt zählt zur Mountain Bike Holidays Gruppe und ist damit perfekt auf die Bedürfnisse von Radsportlern abgestimmt.

 

Das Service & Guiding.

Mehrmals pro Woche kommt am Abend Helmut Simonlehner vom Mountainbikezentrum Salzkammergut ins Haus, heute spontan schon früher. Er nimmt sich Zeit und bietet uns einen genauen Einblick in das Angebot der Region, hilft uns bei unserer Tourenplanung und zeigt uns einige besonders schöne Plätze die wir anfahren sollten. Helmut erklärt uns auch das umfangreiche Guiding-Angebot. Dieses ist gut mit verschiedenen Unterkunftsbetrieben koordiniert, mehrmals die Woche starten geführte Touren der unterschiedlichsten Leistungskategorien in Bad Goisern, selbst für E-Biker gibt es bereits Guiding. Gäste die an der Fahrtechnik feilen möchten, finden entsprechende Angebote in Kleingruppen.

 

Das MTB-Wegenetz.

Das MTB-Wegenetz umfasst mittlerweile 1.450 km mit 76 beschilderten Strecken, 74 davon auch mit GPS-Daten, welche auf der Website der Region, www.biken.at downloadbar sind. Die Bikesaison startet im Mai, wobei hier bei einigen wenigen Touren ganz oben am Berg noch durch den Schnee geschoben wird und endet im Oktober wieder mit dem ersten Schnee. Das Wegenetz erstreckt sich überwiegend auf gut gepflegten Forststraßen, der Singletrailanteil ist eher gering, ein Ausbau ist geplant. Man will hier jedoch eher nicht das vorhandene Wanderwegenetz für Biker öffnen, berichtet uns Helmut die aktuellen Überlegungen, sondern es ist angedacht parallel zu bereits vorhanden Forststraßen-Routen “flowige” Trails anzulegen. Auf dem Feuerkogel existiert zwar eine schwere Freeridestrecke, klassische Bikeparks mit Aufstiegshilfen gibt es im Salzkammergut nicht. Im nahen Obertraun, am Ende des Hallstätter Sees, wurde in den letzten Jahren die Bikearena entwickelt. Gegen geringes Entgelt kann dort auf einer weltcuptauglichen Cross-Country-Strecke und einem großen Pumptrack trainiert werden, was auch bereits MTB-Teams aus dem In- und Ausland anlockt. Im Landhotel Agatha hat sich am verlängerten Wochenende eine Gruppe Nachwuchsbiker aus Vorarlberg einquartiert. Die 45min Anfahrt zur Arena entlang des Hallstätter Sees nützen sie gleich zum Aufwärmen und Ausfahren nach einem anstrengenden Trainingstag. Sie bereiten sich für die österreichischen Meisterschaften im Cross Country vor, die heuer am Wochenende nach der “Trophy” in der Arena ausgetragen werden.

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Die unzähligen Forststraßen bieten herrliche Panoramen (c) Bscherer.

 

Die Beschilderung.

In den 3 Tagen, in denen wir das MTB-Wegenetz erkunden fällt uns besonders die überaus gute und gepflegte Beschilderung auf, meist sogar in beide Richtungen. Die Richtungspfeile sind gut sichtbar, die einzelnen Routen unterscheiden sich auch farblich – kurz, man muss nicht bei jedem Wegweiser stehen bleiben um zu sehen, wohin die Strecke weiterführt. Immer wieder beinhalten die Routen auch Abschnitte der “Trophy”, viele Strecken können bunt miteinander kombiniert werden. Will man sich weiter von Bad Goisern wegbewegen, als mit einer Runde möglich scheint, dann kann die im 2-Stundentakt fahrende Salzkammergutbahn mit Biketransport-möglichkeit gut zur Rückfahrt genützt werden. Wenn’s mal gar nicht mehr weitergeht, erreicht man Helmut am Handy und er organisiert einen Taxitransport. Die Schwierigkeits- und Zeitangaben in der Mountainbikekarte “salzkammergut mountainbiking” richten sich an den durchschnittlichen Hobbybiker. Gut trainierte Biker können etwas mehr als die halbe Fahrzeit veranschlagen, allerdings muss man dann wirklich zügig fahren und es bleibt nur wenig Zeit um die tolle Landschaft genießen zu können.

Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten die die Region bietet, kann man den MTB-Sport in verschiedensten Varianten ausleben. Leistungsorientierte Biker finden neben unzähligen knackigen Anstiegen für heftige Intervalle auch Runden mit langen, mittelsteilen Anstiegen für längere Touren mittlerer Intensität. Dem erholungssuchenden Biker bieten sich mäßig anstrengende Routen in wunderschöner Landschaft, bei entsprechenden Außentemperaturen locken auch viele ruhige Badeplatzerl an den Seen des Salzkammerguts. Aufgefallen ist besonders, dass die Forststraßen auch nach Regentagen sehr rasch auftrocknen.

Direkt vom Landhotel Agatha führen MTB-Routen ins Dreieck “Bad Goisern – Bad Ischl – Altaussee”, mit mehreren Varianten der Umrundung und Durchquerung.

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Die gute Beschilderung zieht sich durch das gesamte Salzkammergut (c) Bscherer.

 

Die Touren.

Wir entscheiden uns für die Raschberg-Runde, die uns gleichmäßig ansteigend durch ein einsames Tal über einen Hügel, vorbei am Salzbergwerk Altaussee zur Blaa Alm führt. Weiter geht’s in langer, teils steiler Abfahrt durch den Rettenbachgraben. Bei km 25 gut aufpassen, um in der rasanten Abfahrt nicht die Abzweigung links zu verpassen, schlimmstenfalls steht man bei der Ortstafel Bad Ischl und muss wieder 5 km zurückfahren. Im folgenden 10 km Anstieg durch ein enges Tal machen wir knapp 900hm. Am höchsten Punkt nutzen wir die traumhafte Rundumsicht, Dachsteingletscher, Hallstätter See, Schafberg, … Helmut hat uns nicht zu viel versprochen. Vor der finalen Abfahrt lohnt sich noch ein Besuch der Raschberghütte, bei Kaffee und Kuchen, ein entspannter Blick auf den frisch angezuckerten Dachsteingletscher und auf Hallstatt. Nach den steilen Anstiegen und vielen Höhenmetern am Vormittag fahren wir am späteren Nachmittag noch zur Auflockerung Teile der Weißenbach- bzw. Hochmuth-Runde.

Für eine Ganztagestour kombinieren wir die Sarstein-Runde mit der Salza-Runde. Wir starten wieder direkt beim Hotel, der Weg wieder gleichmäßig, sanft ansteigend, dann mit schneller Abfahrt auf schmalen, asphaltierten Serpentinen runter nach Altaussee. Bitte unbedingt mal stehen bleiben und den Tiefblick zum Altausseer See genießen. Rund um diesen See führt keine Bikestrecke, die Befahrung des Spazier- u. Wanderweges ist verboten. Doch auch wenn bei entsprechend rücksichtsvollem Benehmen niemand „schimpfen“ wird, ist ein simpler Spaziergang definitiv lohnender, am Besten am Abend, einen warmen Pulli mitnehmen und auf der Seewiese der Sonne beim Untergehen zusehen, keine Sorge, James Bond hat die Jausenstation nicht wirklich gesprengt.

Mit dem Bike folgen wir nun der Traun bis Bad Aussee und halten uns rechts Richtung Grundlsee, In Au rechts abbiegen, in die Salza-Runde einsteigen und auf der Landstraße nach Kainisch. Hier empfiehlt sich eine 7 km Schleife zum nahen Ödensee bevor man auf dem Hochplateau nach Bad Mitterndorf weiterrollt. Hier etwa in der Ortsmitte links abbiegen und einen landschaftlich wunderschönen 10 km Anstieg mit etwa 400 hm durch das Salzatal Richtung Norden. Die Aussicht ins Tote Gebirge ist ein Traum, der gute Zustand der Forststraßen erlaubt auch den Blick schweifen zu lassen. In der sehr schnellen Abfahrt zum Grundlsee ist dann wieder volle Aufmerksamkeit gefordert, einige Kurven „machen zu“, also nichts riskieren! Wer den Toplitzsee noch nicht gesehen hat, sollte beim Kreisverkehr in Gößl rechts rausfahren und den 10 min Abstecher mitnehmen – es lohnt sich!

Nun den Grundlsee entlang nach Bad Aussee und dort einfachhalber Richtung Bahnhof orientieren, wo man wieder in die Sarstein-Runde einsteigt und weiter nach Obertraun am Hallstätter See fährt. Von dort der Eisenbahn folgend am östlichen Seeufer zurück nach St. Agatha. Die 120 km und 1800 hm mit angenehmen Steigungen und gut rollendem Untergrund sind als Tagestour gut machbar. Wer jedoch in Bad Aussee schon sehr müde ist, kann auch mit der ÖBB nach Bad Goisern zurückfahren und erspart sich damit ca. 25 km und 300 hm.

Sehr anstrengend aber auch sehr lohnend ist die Plassen Runde, die von Hallstatt in der langen, der beiden Varianten zum Vorderen Gosausee und wieder zurück nach Hallstatt führt. Helmut hat uns empfohlen die Runde verkehrt zu fahren und den Bundesstraßenanteil lieber bergab, schnell hinter uns zu bringen. Die knapp1000 hm auf 9 km von Hallstatt durch das Echental rauf zur Roßalm sind jedoch heftig und so manchem Trophybezwinger in schmerzhafter Erinnerung. Von der Roßalm geht es wellig weiter und dann in langer, nicht zu steiler Abfahrt zum Vorderen Gosausee. Die Gipfel westlich des Gosausees erinnern stark an die Dolomiten, im Süden öffnet sich der Blick zum westlichen Teil des Dachsteingletschers.

 

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Bergpanorama zum Genießen (c) Reinhard Bscherer.

 

Das Resümee.

Die Anfangs vermissten Singletrails gehen uns schlussendlich gar nicht ab. Wir haben selten beim Biken soviel Landschaft gesehen. Das dichte Netz an alles andere als “faden” Forststraßen ist eindeutig das charakteristische Merkmal der Bikeregion Salzkammergut. Darum auch unsere Materialempfehlung: “Lasst das „schwere Gerät“ zuhause!” Hier macht eine Hardtail mit gut rollenden Reifen definitv am meisten Spaß! „Einfachen“ sei ein 30er-Kettenblatt empfohlen.

Wer Platz im Auto hat, kann durchaus auch sein Rennrad in den Bikeurlaub mitnehmen oder eines leihen. Eine kurze Klettertour mit dem leichten Renner auf einer der steilen, schmalen Asphaltstraßen zu hochgelegenen Höfen und Siedlungen hat auch seinen besonderen Reiz. Oder man macht gleich die 5 Seenrunde und nimmt auch die Postalm mit…

 

Gosaussee (c) STMG Christian Parzer
Traumhafter Blick auf den Gosaussee (c) STMG Christian Parzer.

 

RAD.SPORT.SZENE  Hotel-Tipps der Region

Landhotel Agathawirt ***

www.agathawirt.at

AlpenParks Hagan Lodge ****

www.alpenparks.at

Narzissenhotel – Solebad & Vitalresort ****
www.narzissenhotel.at

 

 

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