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TRANSALP 2020 // Eine wilde, wunderschöne Route + Im Gespräch Centurion/Vaude

TRANSALP 2020 // Eine wilde, wunderschöne Route + Im Gespräch Centurion/Vaude

TRANSALP 2020 // Eine wilde, wunderschöne Route + Im Gespräch Centurion/Vaude

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Seit nunmehr 22 Jahren ist die MAXXIS BIKE Transalp das Sommerhighlight im europäischen Mountainbikekalender. Über die Alpen bis zum Gardasee führt die Strecke in sieben Etappen im Juli. War die erste Austragung für die Teilnehmer eine Reise ins Unbekannte, so soll eben jener Entdeckergeist bei Ausgabe 2020 im Juli wieder geweckt werden.

577 Kilometer gespickt mit 18.940 Höhenmeter sind die nackten Zahlen der Ausgabe 2020, die von 5. bis 11. Juli von Nauders nach Riva del Garda führt. Das Rennen kann alleine oder auch klassisch im Zweierteam absolviert werden. Der Fokus in der Routengestaltung lag laut Streckenchef Marc Schneider vor allem auf der Suche nach unberührteren und wenig befahrenen Pfaden: „Die Route 2020 tritt den Beweis an, dass Entdeckergeist in den Alpen noch immer belohnt wird.“ Insgesamt drei Länder werden mit Österreich, der Schweiz und Italien angefahren. Etappenorte wie Livigno, Santa Caterina oder Aprica sowie das legendäre Finale beim Kongress in Riva del Garda lassen das Herz der Mountainbiker von alleine höherschlagen. Genauso wie die zu bezwingenden Anstiege der Austragung 2020, bei der fast jeder Tag wie eine Königsetappe scheint und immer wieder landschaftliche Highlights eng hintereinander folgen.

Die Route 2020 tritt den Beweis an, dass Entdeckergeist in den Alpen noch immer belohnt wird.“

Streckenchef Marc Schneider

Die Strecke im Detail

Der Auftakt, gleichzeitig der längste Abschnitt 2020, von Nauders nach Livigno ist mit der Durchquerung aller drei befahrenen Länder schon eine kleine Transalp für sich. Vom Wintersportort an der Grenze Italiens aus geht es gleich steil bergan zum so genannten Bergkastell auf über 2.000 Meter. Der erste spektakuläre Trail wartet hinab zur Stieralm, ehe das Fahrerfeld weiter im Tal dann die Quelle der Etsch passiert. Über den Reschensee geht die rasante Abfahrt weiter bis Laatsch, wo in das Müstairtal abgezweigt wird. Nach Livigno geht es aber nicht klassisch über den Ofenpass wie in früheren Austragungen. Ein langer Anstieg führt in freier Landschaft hinauf zum Döss Radond auf 2.235 Metern. Die Abfahrt durch das zauberhafte Val Mora beginnt zunächst auf einem Forstweg, wird dann aber bei der Alp Buffalora zu einem herrlichen Pfad, der sich im Auf und Ab an der Talflanke hinabschlängelt bis zum Lago San Giacomo. Von dort aus führt der letzte Anstieg über den Passo Trela nach Livigno, wo nach 96,5 Kilometern das erste Tagesziel erreicht wird.

Wie eine Achterbahnfahrt beginnt der zweite Tag in Livigno. Auf und ab führt die erste Rennhälfte und bezeichnend dabei ist die zweite Abfahrt des Tages, die das Fahrerfeld durch den Rollercoaster-Trail führt. Über den Passo Alpisella wird der schneesichere Wintersportort verlassen und über den Lago di San Giacomo und den Lago di Cancano, im Mai übrigens auch Etappenziel des Giro d’Italia, geht es hinab nach Bormio. Der oftmalige Start- und Zielort von Transalp-Tagesabschnitten wird aber an dessen nördlichen Berghängen umfahren. Über Waldwege und kleinere Trains führt der zweite Tag hinein ins Valfurva ehe es der Talstraße lang nach Santa Caterina geht, wo die Etappe nach 78,8 Kilometern endet.

Lange Anstiege und lange Abfahrten prägen das Bild des dritten Tages, der durch die schroffe Bergregion zwischen Ortler- und Adamello-Gruppe führt. Vor der Kulisse mächtiger, mit Gletschern überzogener Bergriesen, schlängelt sich die Route über abenteuerliche Pässe, wie den Passo dell‘ Alpe (2.461 m) und den Mortirolo (1.852 m) auf rumpeligen Karrenwegen mit kurzen, knackigen Rampen und Wald- und Wiesentrails. Sowohl der Startort Santa Caterina, als auch der Zielort Aprica waren noch nie Gastgeber einer Etappe der BIKE Transalp und sind somit neu im Programm. Mit 82,1 Kilometer ist der dritte Tag der viertlängste der 2020er Austragung und sozusagen das Aufwärmen für die Königsetappe, die dann folgt.

Denn der vierte Abschnitt der BIKE Transalp 2020 versucht in jeder Kategorie top zu sein: Länge, Panorama, Höhenmeter, Trails und Landschaft. Und als Novum geht es noch durch Regionen, auf denen das Feld von Europas bekanntestem Mountainbike-Etappenrennen noch nie zu Gast war. Der Start ist noch ein gemächliches Vorspiel, ein vergleichsweiser zahmer Anstieg führt nach Trivigno und weiter zum Passo di Guspessa, ähnlich der Strecke, auf der am Tag davor Aprica angefahren wurde. Aber bald führt der Weg sehr abwechslungsreich hoch über das Val Camonica. Auf diesen 15 spannenden Kilometern müssen Alm- und Waldwege bewältigt werden, die höchste Konzentration fordern und kaum Zeit lassen, den Blick in die Adamello-Gruppe zu genießen. Ein Trail durch den Wald führt ins Tal bis nach Monno, perfekt um durchzuatmen, denn danach wartet mit dem 30 Kilometer langen Anstieg zum höchsten Punkt des Rennens 2020, dem auf 2.613 Metern gelegenen Forcella Montozzo, ein richtig harter Brocken. Zwar ist der Anfang noch gemächlich, aber ab dem historischen Bergdorf Case di Viso geht es dann richtig zur Sache. Weit über der Baumgrenze wartet ab dem Rifugio Bozzi das steilste Stück des Anstieges. In einer rasanten Abfahrt geht es zum Lago di Pian Palu, einem kleinen Stausee auf 1.800 Metern. Und so wie das Bergauf-Stück schwer ist, geht es auch bergab. Denn bis zum See ist es sehr ursprünglich. Die Abfahrt ist ein Wanderweg, gespickt mit groben Felsen und engen Schiebepassagen mit steilen Abgründen. Ab dem Lago di Pian Palu ist aber dann das heftigste überstanden und mit Ausnahme eines kleinen Anstieges geht es auf Almwegen bis ins Ziel nach Peio, welches nach 90,3 Fahrkilometern erreicht wird.

Die fünfte Etappe entspricht im Kernstück der 2016er Etappe von Mezzana nach Trento. Die ersten Kilometer vom Valle di Peio ins Val di Sole sind aber natürlich ganz neu. Hier geht es zunächst wellig am Talrand auf Wald- und Wiesenwegen hinaus aus Peio, dem Startort. Man passiert ein paar kleine Dörfer und schießt schließlich auf einem schmalen Waldweg aus dem Tal hinaus bis Fucine, dem Beginn des Val di Sole, einer der Mountainbike-Hochburgen Italiens. Über Pellizzano und Mezzana geht es schließlich weiter nach Malé wo der Hauptanstieg dieser ungeheuer abwechslungsreichen Etappe beginnt. Über den Passo Le Fraine wird ins Nonstal gewechselt und nach einer wunderschönen 1.000 Höhenmeter langen Abfahrt folgt der weitere Etappenverlauf der Route des Dolomiti Brenta Bike. Durch die Tunnel von Tèrres geht es nach Cavedago, wo der Schlussanstieg nach Andalo wartet. Nachdem der Skiort passiert ist, führt schließlich ein Waldweg hinab ans Ufer des Lago di Molveno. Der letzte Kilometer ist dann die Flaniermeile am Ufer bis zum Ziel am großen Badestrand.

Schon zwei Tage vor dem Ende können die Teilnehmer den Gardasee, das Ziel jeder Transalp förmlich spüren. Aber es wird kein einfaches Finale. Zwar geht es auf der vorletzten Etappe von Molveno ins Val del Chiese nur mehr einmal lange berghoch, aber der Passo Giovo hat es nochmals in sich. Der Anstieg, der nach 55 abwechslungsreichen Kilometern beginnt, wird zunächst noch auf Asphalt, später auf Schotter befahren. Von der Passhöhe geht es noch ein Stück weiter berghoch zum Sentiero dei Funamboli. Über einen schmalen Waldpfad geht es am Grat entlang zu einem kleinen See. Ein steiler Downhill-Trail folgt in das Etappenziel, dass nach 79,6 Kilometern erreicht wird.

Ein richtiges Feuerwerk wird noch einmal der letzte Tagesabschnitt. Nach dem langen Anstieg zum Malga Tombea wartet eine kurze Abfahrt ehe es über den berühmten Tremalzo-Pass geht, der erst einmal bei der BIKE-Transalp überfahren wurde. Ein Entdeckungstrip auf alten Militärpfaden und Wegen, die volle Konzentration erfordern aber in dieser großen Kulisse zwischen schroffen Felswänden eben auch das Bikerherz höherschlagen lassen. Ruppig ist die Abfahrt vom Passo Tremalzo hinab zum Passo Nota. Im Auf und Ab führt die Strecke vorbei an zauberhaften Fotospots immer noch 1000 Meter über dem Gardasee zum Passo Rocchetta. Als letzter fahrtechnischer Leckerbissen muss jetzt nur noch der anspruchsvolle Trail bis zur Malga Palaer bewältigt werden, bevor es auf Forstwegen nach Pregasina und schließlich auf der alten Ponale mit Blick auf Riva ins Ziel der BIKE Transalp 2020 geht.

Die Lust am Gewinnen im Wohnzimmer

Im Gespräch mit Richard Dämpfle – Teamchef des erfolgreichsten Transalp Teams aller Zeiten

Vor unserer ersten Teilnahme 1998 hatten wir den Traum, dieses Rennen einmal zu erringen. Mittlerweile standen wir 15 Mal am Start und konnten insgesamt neun Gesamtsiege erinnern“, erklärte Richard Dämpfle, Teamchef von CENTURION VAUDE, dem erfolgreichsten Team in der 22-jährigen Geschichte der BIKE Transalp. In den letzten sieben Jahren feierte die deutsche Equipe den Gesamtsieg beim härtesten Etappenrennen für Mountainbiker in Europa.

„Das Rennen ist der Grund für unser Team und dadurch auch unser Lieblingsrennen. Es ist quasi unser Wohnzimmer“, fügte Dämpfle im Gespräch mit RAD.SPORT.SZENE an: „Das Rennen war lange Zeit die „Tour de France“ der Mountainbiker und es gibt es deutlich länger als das Cape Epic.“ In den 15 Teilnahmen der deutschen Mannschaft feierten sie neun Gesamtsiege, sieben bei den Herren, zwei bei den Mixed-Teams. Dreimal gelang sogar ein Doppelsieg, insgesamt 45 Etappen gingen an die deutsche Equipe.

2019 traten der Vizeweltmeister von 2018 Daniel Geismayr und der Deutschen Jochen Käß in die Pedale für CENTURION VAUDE, wer 2020 an den Start gehen wird, kann erst im Neuen Jahr veröffentlicht werden: „Aus vertraglichen Gründen können wir die Teambesetzung erst im Jänner verkünden. Daher werden wir uns auch zu den möglichen Paarungen für die Etappenrennen erst später äußern“, berichtete Dämpfle.

Ein siegfähiges Transalp-Duo muss nicht aus den stärksten Einzelfahrern sondern aus zwei perfekt aufeinander eingestellten Sportlern bestehen, die sich während der ganzen Woche auch einig sind und füreinander und das Team für den Erfolg kämpfen“, erläuterte der Deutsche, der selbst das Rennen mehrmals bestritt. Mit Geismayr und Käß formte er in diesem Jahr ein neues Duo, nachdem die beiden die Transalp mit anderen Partnern mehrmals gewinnen konnten. Und das, obwohl der Weg zum siebsten Titel ein ganz schwieriger war.

Denn erst auf der letzten Etappe holte das Duo mit einem Husarenritt noch den Gesamtsieg. Auf der fünften Etappe verloren sie viel Zeit durch einen Sturz und eine durch einen falsch befestigten Richtungspfeil verursachte Fehlnavigation. Mit einem Vorsprung von fast fünf Minuten auf das bislang führende Team Bulls gewannen sie allerdings die Schlussetappe und eroberten erneut das Gelbe Trikot: „Das war eigentlich typisch für unsere Teammentalität. Wir hatten eine unserer schwärzesten Stunden erlebt, aber besonnen uns auf den Kampfgeist und niemals aufzugeben. Mit einem mutigen Plan setzten wir alles auf eine Karte und es ging auf“.

Seit  2012 setzt das Team auf eine perfekt abgestimmte Betreuermannschaft, mit  eigenem Koch, Physiotherapeuten, Mechanikern, einem Rennleiter und einer unterschiedlichen Anzahl an Streckenhelfern, je nach Etappe ausgewählt.  „Dank dieses ausgeklügelten Systems konnten wir für unsere Sportler auch  immer die beste Betreuung an der Rennstrecke und die perfekte  Regeneration ermöglichen“, weiß Dämpfle und fügte an: „Mit unseren  Erfolgen haben wir uns unauslöschlich als das erfolgreichste Team der  BIKE Transalp in den Geschichtsbüchern verewigt. Diese sieben Gesamtsiege in Folge können so nicht wiederholt werden.“

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