**PREMIUM CONTENT// WELTCUP POST VON MORITZ BSCHERER ** VAL DI SOLE // Wie Streckencharakteristika die Spannung beeinflussen und wohin sich der Short Track entwickelt:
Dass ein Short Race so richtig weh tun könnte, hatten sich vor dieser Saison wohl mehrere gedacht. In Val di Sole sahen wir nun aber das erste Mal eine Streckenführung, die auch den Weltmeister leiden ließ.
Auch der Rennverlauf unterschied sich in Italien deutlich von den zwei bisherigen Austragungen in Albstadt und Nove Mesto. Sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren, spielte die Taktik eine geringere Rolle. Was hingegen mehr gefragt war als eine gute Positionierung, gepaart mit dem richtigen Timing, war die Power am Pedal. Und diese entschied nicht nur über Sieg und weitere Platzierungen, sondern auch über den Sprung in die Top 16 und überhaupt den Verbleib im Rennen. Nicht, dass dies sonst anders wäre. Der Kurs in Val di Sole vermochte die Kräfteverhältnisse allerdings besonders deutlich hervorzuheben.
Doch was war das nun für eine Strecke, die auch den besten 40 der Welt die Zähne zog? Um es gleich einmal klar zu machen, ein deutlich physischerer Kurs, als bisher gesehen. Die Entscheidungen in Val di Sole fielen am steilen Bergaufstück, das es einmal pro Runde zu bewältigen gab. Und dieses hatte es in sich! Der spätere Sieger des Herrenrennens, Mathieu van der Poel, fasste die Strecke auf einen 30 Sekunden langen Sprint zusammen.
Zeigte sich das Rennformat damit also attraktiver als bisher? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Die Entwicklung ging in Val di Sole auf jeden Fall mehr in Richtung Mini-XCO als MTB-Kriterium.
Den Zusehern wurde allerdings mehr geboten, denn nach dem Anstieg ging es in die Four Cross-Strecke und damit auch durch den dazugehörigen Rockgarden. Als Fan erhielt man also nicht nur jede Runde eine Show vom Chef persönlich, Nino Schurter, man hatte die entscheidenden Passagen auch von der Tribüne aus im Überblick. Zeigte sich das Rennformat damit also attraktiver als bisher? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Die Entwicklung ging in Val di Sole auf jeden Fall mehr in Richtung Mini-XCO als MTB-Kriterium.
„Wenn die Form stimmt, ist auch die Erholung kein Problem!“
Lücken waren schnell zu sehen, jeder der nicht vorgeführt werden wollte, musste ordentlich investieren. Ein zu heftiger Reiz zwei Tage vor dem Hauptbewerb? Dies kann wohl nicht so einfach beantwortet werden, denn während er für die Top-Fahrer zwar gleich ausfällt, kann er doch unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Damit kommt der Regeneration am Samstag eine bedeutende Rolle zu, die es nicht zu unterschätzen gilt. Dass man den Opener am Freitag in so einem Fall aber eher als einen Formindikator nutzen kann, scheint auf der Hand zu liegen. Gerhard Kerschbaumer, der mit den Platzierungen 7 & 2 ein besonders gutes Wochenende hinlegte, brachte es auf den Punkt: „Wenn die Form stimmt, ist auch die Erholung kein Problem!“ Bei den Damen war es Alessandra Keller, die ihre derzeitige Verfassung in beiden Disziplinen unter Beweis stellen konnte.
Der Short Track im Tal der Sonne zeigte uns also durchaus die Sonnenseite der neuen Disziplin im Weltcup. Ebenso ließ er lange nicht gesehene Schwachstellen bei Seriensieger Nino Schurter zum Vorschein kommen. Selten ist dieser in den letzten Jahren bergauf vom Hinterrad gefahren worden. Eine Entwicklung also, die auch für die nächsten Rennen zu wünschen wäre? Oder liegt genau in der Abwechslung auch der Reiz dieser Disziplin? Lassen wir uns überraschen und schauen was schon kommendes Wochenende der Short Track in Andorra für uns zu bieten hat.

