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** Mathias Flückiger im Interview

** Mathias Flückiger im Interview

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**PREMIUM CONTENT// Mathias Flückiger ist nicht nur der einzige Schweizer neben Vogel und Schurter, der seit 2010 einen Weltcup gewinnen konnte, er gilt auch als einer der Favoriten auf den Weltmeistertitel in Mont Sainte-Anne. Wie sich dieser Erfolg über Jahre aufgebaut hat, was dahinter steckt und was die jüngere Hälfte der Flückiger-Bros neben dem Rad so treibt, erfährst du hier.

Mathias, in Mont Sainte-Anne konntest du vergangenes Jahr deinen ersten Weltcup gewinnen. Als Draufgabe kam dann noch Platz 6 bei der Heim-WM in Lenzerheide und der vierte Rang bei der Marathon-WM. Würdest du sagen, dir ist der Knoten geplatzt?

Geplatzt ist der Knoten sicher mit dem Weltcupsieg. Die WM war ein solides Rennen, aber nichts Herausragendes, da ich in den Jahren davor im Weltcup ja schon öfter mal aufs Podium gefahren bin. Eher war es fast ein bisschen eine Enttäuschung, ich habe mir da daheim in der Schweiz schon mehr vorgenommen. Die Marathon-WM nahm ich dann so mit, um Erfahrungen zu sammeln für dieses Jahr. Dafür war der vierte Rang schon recht gut.

Dein zweiter Weltcupsieg in Albstadt nun in besonders eindrucksvoller Manier. Machst du etwas anders als früher?

Eigentlich nicht! Ich bin in den letzten Jahren konstant meinen Weg gegangen und mein Niveau ist in dieser Zeit immer weiter gestiegen. Früher hatte ich zwar auch schon Highlights im Weltcup, allerdings nie konstant diese Leistungen. Jetzt kommt die ganze Erfahrung vom Material bis hin zur Renntaktik alles zusammen und ich hoffe, das führt auch noch zu mehr.

Albstadt 2019, Weltcupsieg Nr. 2!

Jetzt kommt die ganze Erfahrung zusammen!

Das klingt nach einer langen Entwicklung. Dennoch warst du ja schon mehrmals in den Top 5, wie du gesagt hast. Bei der WM 2012 konntest du sogar Bronze holen. Wie groß ist der Niveauunterschied zu einem Weltcupsieg wirklich noch?

Ja eben, Podium-Platzierungen holte ich sogar schon damals als U23-Fahrer in der Elitekategorie. In meiner ganzen Weltcupzeit habe ich da sicher schon an die 20 eingefahren. Unter den ersten Drei war ich vielleicht achtmal. Ob das Niveau wirklich ein anderes ist, kann man schwer sagen. Aber ich denke schon, schließlich habe ich meines ja noch etwas gehoben. Momentan sehe ich mich als einer der drei besten Fahrer im Weltcup.

Momentan sehe ich mich als einer der drei besten Fahrer im Weltcup.

An Kanada hast du nicht nur wegen deinem Sieg 2018 gute Erinnerungen. 2010 konntest du hier U23-Weltmeister werden. Macht dich das zum Favoriten für das Regenbogentrikot dieses Jahr?

Es stimmt, dass ich noch ein bisschen besser geworden bin, als in den Jahren davor. Aber es gibt genug andere Fahrer, die sich auf dem selben Niveau bewegen. In Mont Sainte-Anne können sicher viele Weltmeister werden.

Warum kommt dir dieser Kurs besonders entgegen?

Die Strecke liegt mir wirklich sehr gut, aber auch die Umgebung. Manchmal passt es einfach! Mont Sainte-Anne ist ein Rennen, das wegen seiner Geschichte jeder kennt. Auch wenn sich hier jedes Jahr etwas verändert, bleibt der Charakter doch derselbe. Der Kurs ist sehr natürlich, eher undefiniert und nicht jede Linie ist vorgegeben, das mag ich. Nicht, dass ich auf künstlich angelegten Strecken nicht auch schnell fahren könnte, aber mir liegen diese technischen Elemente, die einem im Rennen alles abverlangen.

Technische Passagen, die einem im Rennen richtig fordern. Davon gibt es in Mont Sainte-Anne genug. Vielleicht holte Mathias nach dem U23-Weltmeistertitel genau deswegen hier seinen ersten Weltcupsieg.

Was sagst du zum Phänomen Mathieu van der Poel?

Er ist sicher ein riesen Talent. Ich denke er fährt einfach extrem gerne Rennen, egal auf welchem Bike. Das und die Freude, die er dabei in sich hat, machen ihn denke ich zu dem Fahrer, der er ist. Ich finde es gut, dass solche Typen im Weltcup vertreten sind, das macht das Ganze sehr interessant.

Er beeindruckt momentan nicht nur auf dem Mountainbike, sondern über mehrere Sparten hinweg. Ist er der beste Radfahrer zur Zeit?

Ja, er ist über drei Sportarten sehr erfolgreich. Trotzdem hat er aber nicht alles gewonnen. Darum weiß ich nicht, ob man das so formulieren kann. Allrounder ist er aber sicher der Beste.

Dennoch hat es einige Zeit gedauert, bis er einen Weltcup für sich entscheiden konnte, während er auf der Straße teilweise irrwitzige Premierensiege in der World Tour feierte. Wertet das den Bikesport deiner Meinung nach auf?

Aufwerten würde ich nicht sagen. Es sind einfach unterschiedliche Disziplinen. Man muss aber schon sagen, dass es bis jetzt eigenltich noch nie jemand in dieser Form geschafft hat, von der Straße oder vom Cyclocross in den Bikesport zu kommen. Vor allem aus dem Querfeldein-Lager haben es in der Vergangenheit Größen wie Sven Nys ja schon probiert. Umgekehrt haben schon viele Biker auf der Straße Karriere gemacht. Wenn man hier an Fahrer wie Fuglsang, Evans oder Sagan denkt, kann man denke ich schon sagen, dass das Niveau im Cross Country nicht zu unterschätzen ist und immer schon hoch war.

Auch du bist ab und zu auf der Straße anzutreffen. Reines Mittel zum Formaufbau oder hast du Ambitionen in diese Richtung?

Ich fahre gerne Straße und denke mir bringt das auch was. Das ist sicher ein Puzzlestück in meinem Formaufbau. Ambitionen habe ich in dem Sinn aber keine mehr. 2012 bin ich bei BMC als Stagiaire gefahren und hätte dann die Chance gehabt beim heutigen Team Dimension Data anzufangen. Ich wollte mich aber aufs Biken konzentrieren. Die Straße wäre finanziell vielleicht interessanter gewesen, ich bin aber froh mich so entschieden zu haben. Wenn man sich den Lifestyle von den jeweiligen Topfahrern anschaut, taugt mir der von uns Bikern schon mehr. Man ist von keinem Team abhängig, nicht so sehr auf Rennglück angewiesen und muss weniger Reisen. Es braucht zwar schon viel Motivation sich die Intensitäten im Training, statt auf Rundfahrten zu holen, aber ich bin viel zu Hause und kann mich auf meine wenigen Rennen voll konzentrieren.

Wieder zurück zu deinen Zielen. Du hast dir die Strecke der diesjährigen Marathon-WM bereits angesehen und konntest in dieser Region im Rahmen des Swiss-Epic auch schon einige Erfolge feiern. Ein großes Highlight deines Wettkampfjahres?

Ja genau, da will ich am Ende des Jahres noch einmal alles in die Waagschale werfen. Ich habe mir die Strecke genau angesehen und nach der XCO-WM habe ich ja dann noch etwas Zeit, meine Fähigkeiten vielleicht etwas zu verschieben. Ich denke da kann ich mir schon Chancen ausrechnen, da ich letztes Jahr mit weniger Vorbereitung schon Vierter werden konnte.

Du bist ausgebildeter Baumaschinenmechaniker. Wie wichtig ist dir die technische Komponente des Rennsports und ist das ein Bereich in dem du später auch einmal arbeiten möchtest?

Technische Details haben mich immer schon interessiert. 2016 durfte ich gemeinsam mit Stöckli ein Rad für die Olympischen Spiele entwickeln, das nun meine Handschrift trägt. So etwas ist schon cool. Die vielen Emotionen usw. die ich in solche Projekte gesteckt habe, gingen dann aber schon teilweise auf Lasten des Rennsports. Ich entwickle immer noch Sachen, schaue aber, dass der Aufwand geringer bleibt. Vielleicht kann ich ja in Zukunft mal wo mitarbeiten. Die nächsten 6-7 Jahre stehen aber sicher im Zeichen des Rennsports, was nicht heißt, dass ich mir über so manches technische Problem schon meine Gedanken mache.

Du hast ja auch einmal eine eigene Dropperpost entwickelt. Hast du diese aus Liebe zur Technik, wegen damals noch mangelnder Auswahl für XCO-Fahrer, oder weil du es besser kannst als Markeningeneure, gebaut?

Ja, das wurde damals echt bekannt. Die Frage ist gut gestellt. Es gab zu dieser Zeit eigenltich keine perfekt zugeschnittene Dropperpost für den XCO. Neben der optimalen Funktion mangelte es da zum Beispiel auch noch am Gewicht oder der Länge, da gab es fast nur Hunderter. Besser als die anderen habe ich es denke ich nicht gemacht, auch wenn mein Modell vielleicht sogar noch das Leichteste da draußen ist. Sicher hatte ich aber eine andere Herangehensweise, durch meine Vorerfahrungen und den Mut zu neuen Materialien.

Ich hätte sie sogar zur Weiterentwicklung verkaufen können, wollte sie aber selber herausbringen. Da war ich vielleicht etwas ein Holzkopf, denn ich erkannte damals noch nicht wie viel Zeit dieses Projekt in Anspruch nehmen würde oder, dass mir das als Rennfahrer vielleicht im Weg stehen könnte.

Vergangenes Jahr fuhrst du teilweise ohne fixes Einkommen? Wie steht es um die finanzielle Lage im Cross Country-Weltcup?

Ich hatte letztes Jahr kein Einkommen vom Team, das stimmt, hatte aber seinen Grund. Seit 2013 konnte ich mir hier ein sehr gutes Umfeld aufbauen und ich wollte mit diesen Leuten unbedingt weiterarbeiten. Was das Material und den ganzen Ablauf betrifft, könnte ich mir da nichts Besseres vorstellen. Um dieses Niveau zu halten, haben wir dann als es knapp wurde, beschlossen erstmal auf den Lohn zu verzichten. Ich denke das war die richitge Entscheidung und weiß nicht, ob ich nach Teamwechsel einen Weltcup gewonnen hätte. Da ist das Umfeld sicher entscheidend gewesen. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass es schlecht um den XCO steht, auch wenn ich vor vier, fünf Jahren vielleicht schon einmal besser verdient habe.

Am Weg zum Solosieg in Albstadt.

Geld ist zwar notwendig, aber nicht alles. Was fasziniert dich nach so vielen Jahren am Cross Country Rennsport?

Es sind sicher die vielen Facetten, die den Sport ausmachen. Wir brauchen die Form von der Straße und müssen unseren Körper trimmen, bis es eigentlich nicht mehr weiter geht. Auf der anderen Seite steht das Material, von den Reifen, bis zur Steifigkeit des Fahrwerks. Was mich fasziniert und motiviert, ist, dass es da bei mir überall noch Potential gibt. Ich weiß nicht, ob das so wäre, wenn ich seit Jahren schon Weltcups gewinnen würde, aber so gibt es noch den Reiz der Beste zu werden.

Wir brauchen die Form von der Straße und müssen unseren Körper trimmen, bis es eigentlich nicht mehr weiter geht.

Du hast einen Fahrstil, der dir den Spaß auf dem Trail anmerken lässt. Wie wichtig ist dir der Funfaktor auf dem Bike und wie bedeutend ist dieser, um im Weltcup vorne mitzuspielen?

Das Spielen mit dem Bike finde ich einfach geil. Das fasziniert mich, so wie es auch andere Fahrer tun, die da noch viel besser sind als ich. Als damals die Sprünge in den Weltcup kamen, musste ich mir diese Techniken, so wie alle anderen auch, erst einmal antrainieren. Mittlerweile habe ich aber sehr viel Spaß in der Luft, und dieser ist sicher auch für den Erfolg entscheidend.

Das Spielen mit dem Bike finde ich einfach geil.

Flückiger gilt als einer der besten Kletterer im Weltcup.

Appropo Sprungtechniken: Wird im Weltcup nicht eindeutig viel zu wenig gescrubbt?

Haha. Ja leider haben wir im Weltcup jetzt nicht so viele Sprünge, die dafür passen. Es wäre eigentlich richtig cool, wenn das öfter ginge. Mir taugt es einfach zu scrubben, es schaut cool aus und bringt ja auch ein klein wenig was. 😉

Als Flückiger-Bros habt ihr wahren Kult-Charakter im Rennsport. Nun habt ihr aus dieser Marke eine echte gemacht. Was steckt hinter der Kollektion #BROS. Buddies Ride in Our Style?

Ja, wir haben da ein bisschen etwas aufgebaut, um ein Label zu haben, wo man sagen kann: „Das gehört zu uns.“ So können wir ein wenig eine Einheit bilden und das ist eigentlich unser Ziel.

Mit dem Flückiger-Cross habt ihr auch ein eigenes Rennen. Wie steht es um deine eigenen Cyclocross-Ambitionen?

Ja, das haben wir vor ein paar Jahren gestartet. Man muss aber sagen, dass wir allerdings nur die Namensgeber sind und nicht die Organisatoren. Meine ersten erfolgreichen Rennen waren im Radquer. Bis zu den Junioren habe ich mich da sogar auf den Cross konzentriert. Ich fahre immer noch sehr gerne Querfeldein, aber Bike halt lieber ;). Da gibt es zeitlich schon Grenzen.

Im RAD.SPORT.SZENE Wordrap//

Training allein oder in der Gruppe? Beides sehr gerne.

Lieblingstrainingsgebiet: Egal, Hauptsache es hat Trails.

Manuel oder Wheelie? Gehört beides zu einem guen Ride dazu!

Für ein gutes Training belohne ich mich mit: Pellkartoffeln und einem Spiegelei mit etwas Parmesan und Olivenöl darüber. Erstens habe ich das gerne und zweitens tut es meinem Körper gut.

Vor dem Start höre ich: Immer etwas anderes, sonst wird’s langweilig. Ich liebe aber Musik aus den 80’s.

Dieses Feature auf meinem Bike ist einzigartig im Weltcup: Der Mathias Flückiger? Haha nein, es gibt immer etwas, auch wenn es oft nicht sichtbar ist. Man muss sich seine Vorteile schon behalten. 😉

Mein Lieblingsevent im Weltcup:Mount St. Anne!

Mein bewehrtestes Mittel bei einem fundamentalen Hungerast im Training:Snickers!

Bilder: Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool

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