** Ayurveda || Die Kraft des Gleichgewichts
** PREMIUM CONTENT// Dinge, wie Trägheit, Verdauungsprobleme oder Schlaflosigkeit, die uns im alltäglichen Leben begleiten, können – wenn sie zur lästigen Gewohnheit werden – eine große Last darstellen. Jeder Mensch trägt so sein oder ihr kleines Päckchen mit sich, doch nicht immer gibt es eine klare Lösung für Probleme wie diese und nicht immer weiß man sich in derartigen Situationen zu helfen. Genau hier setzt Ayurveda an – eine alte indische Heilkunst, die auch heute noch zu lehren vermag, auf die eigenen individuellen Bedürfnisse einzugehen, um die Gesundheit von Körper und Geist zu ermöglichen.
Ayurveda versteht sich als die Kunst des Seins und kann als Wissenschaft gesehen werden, welche Bereiche der Medizin, wie Chirurgie, Physiotherapie und Psychologie und Aspekte eines gesunden Lebensstils, betreffend etwa die Ernährung und den Biorhythmus umfasst und miteinander vereint. Mit dem Verständnis des Körpers als Organismus, welcher durch verschiedene Energien, genannt Doshas, getrieben wird, hat es Ayurveda zum Ziel, diese Wechselwirkungen in Einklang miteinander zu bringen, denn befindet sich der Körper in einem harmonischen Gleichgewicht, kann präventiv gegen Krankheiten vorgegangen werden. In diesem Sinne ergänzen sich die Lehren des Ayurveda und die Kenntnisse der modernen Medizin ideal und bereits die jahrhundertealten Schriften der indischen Autoren besagen, ihre Wissenschaft nicht als der Weisheit letzten Schluss zu betrachten, sondern diese in Zusammenhang mit anderen Erkenntnissen zu setzen. Ayurveda betrifft im Grunde alle Bereiche des menschlichen Lebens und dieser Beitrag ist dazu gedacht, in die Prinzipien der ayurvedischen Ernährung einzuführen, um vielleicht den ein oder anderen eine Alternative aufzuzeigen, um ihr oder sein Wohlbefinden wiederherzustellen.
Ayurveda versteht sich als die Kunst des Seins und betrifft alle Bereiche des menschlichen Lebens.
Man ist, was man isst
Ernährung nimmt in unserem Leben einen wahnsinnig hohen Stellenwert ein, auch für die Heilkunst des Ayurveda stellt sie aus diesem Grund einen der zentralen Knotenpunkte dar, welche die Gesundheit des Körpers ermöglichen. Die Verdauung bestimmt sozusagen über unser Wohlbefinden und genau deswegen sollte man das eigene Auge dafür schulen, ob und wie stark unsere Verdauungskraft ist, um sich gemäß dieser ernähren zu können. Da jeder menschliche Körper eine individuelle Beschaffenheit besitzt und es kaum eine goldene Regel für alle geben kann, gibt es im Ayurveda insbesondere zwei zentrale Gesichtspunkte, um zu beurteilen, welche Nahrung idealerweise aufgenommen werden sollte. Zum einen spricht die indische Heilkunst von der Verdauungskraft als Agni, das ‚Bauchfeuer’, welches unterschiedlich stark in jedem von uns brennt. Das Ziel ist es, ein möglichst kräftiges Agni zu besitzen, denn so wird das Verdauungsgewebe besser vor Giftstoffen geschützt. Anzeichen für eine gut funktionierende Verdauungskraft sind ein gesunder Appetit und ein ausgeprägtes Hungergefühl. Daher sollte darauf geachtet werden, diese Anzeichen des Körpers nicht durch zu viel Essen zu unterdrücken. Passiert dies dennoch einmal, so können das Auslassen einer Mahlzeit oder hochwertige Gewürze dabei helfen, das Feuer neu zu entfachen.
Die Verdauung bestimmt über unser Wohlbefinden.
Als zweites Grundprinzip, um die individuelle Beschaffenheit des Körpers festzustellen, dienen die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha. Bioenergien, die sich aus den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer und Wasser zusammensetzen und je nachdem, wie stark ausgeprägt diese sind, für Gleich- und Ungleichgewicht im Körper sorgen. Dabei erfüllt jedes Dosha eine gewisse Funktion und besitzt Eigenschaften, die es gilt im Lot zu halten. Vata etwa stellt die Energie der Bewegung dar und führt die Nahrung durch den Körper. Nimmt diese Energie eine ausgeglichene Rolle im Organismus ein, so sorgt sie beispielsweise für eine stetige Ausscheidung von Giftstoffen und eine gute Durchblutung. Doch zu viel Vata-Energie zieht wiederrum Blähungen oder Kältegefühl in den Gliedmaßen nach sich. Nach diesem Prinzip verhält es sich auch bei den anderen beiden Doshas. Pitta meint die Energie der Umwandlung und herrscht hiervon Gleichgewicht, so sorgt die Energie aus Feuer und Wasser für einen guten Appetit und hormonelles Gleichgewicht, während zu viel davon Sodbrennen oder Hautprobleme verursachen kann. Kapha generiert Zusammenhalt der Gewebe und Gelenke und starke Knochen, sowie ein gut funktionierendes Immunsystem. Ein Kapha-Überschuss hingegen kann die Ursache von Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen darstellen. Ein Gespür für das eigene veranlagte Verhältnis der drei Doshas zu bekommen, spielt schließlich auch dann eine große Rolle, wenn es darum geht, welche Nahrungsmittel konkret aufgenommen werden sollten. Denn die geeignete Ernährung hilft dabei, einen Ausgleich mit unserer eigenen Veranlagung der Bioenergien zu finden.

Die ayurvedische Küche
An vielen Stellen ist nun bereits das Prinzip des Gleichgewichts gefallen und auch beim Kochen und der Auswahl der Lebensmittel selbst, sollte genau darauf geachtet werden. Wer sich unter der ayurvedischen Küche nun ausschließlich indische oder asiatische Gerichte vorstellen zu vermag, liegt nicht vollauf richtig, denn ein wichtiger Grundsatz dieser Kunst des Lebens besagt, dass vor allem frische und qualitativ hochwertige regionale Produkte zum Verzehr verarbeitet und verkocht werden sollten. Das heißt also, dass durchaus mit traditionellen einheimischen Produkten, vielleicht sogar aus dem eigenen Garten, nach der ayurvedischen Lehre gekocht werden kann. Bei der Auswahl der Produkte ist es gleichermaßen aber auch wieder essentiell, die individuelle Beschaffenheit, also das Agni und das Verhältnis der Doshas zu berücksichtigen. So kann ein schwaches Agni durch leichte Kost ausgeglichen, oder aber mit verschiedenen Gewürzen stimuliert werden. Hinsichtlich der Doshas gilt, dass hohes Vata beispielsweise mit warmen, öligen Speisen und süßen Früchten wie Mango oder Datteln reduziert werden kann. Bei einem Pitta-Überschuss sollte man darauf achten, keine scharfen Speisen zu sich zu nehmen und lieber zu bitteren Lebensmittel, wie Spargel oder Chicorée zu greifen. Gerät das Kapha in Ungleichgewicht, so helfen unter anderem scharfe Speisen und herbe Gemüsesorten, wie Bohnen und Linsen, dies zu beruhigen. Trotz all dieser Faustregeln, darf aber auch der persönliche Geschmack nicht außen vorgelassen werden, denn nur was uns wirklich schmeckt kann auch zur Gesundheit von Körper und Geist beitragen.
Frische und qualitativ hochwertige regionale Produkte zu verwenden, ist ein wichtiger Grundsatz der ayurvedischen Küche.
Ernährungspraxis als Schlüssel zur Gesundheit
In der ayurvedischen Ernährungspraxis wird allerdings nicht nur darauf geachtet, was wir zu uns nehmen, sondern auch warum, wie und wann. Der Grund für die Nahrungsaufnahme mag zunächst recht offensichtlich erscheinen, aber nach den Lehren des Ayurveda wird zwischen dem Hunger des Magens und der Zunge ein scharfer Unterschied gezogen. Während die Gelüste der Zunge eher auf eine schnelle Befriedigung abzielen, gibt das Stillen des Hungers durch den Magen Energie für den Körper und dient der gesunden Verdauung. Vor dem Essen wird empfohlen, kurz inne zu halten und die Mahlzeit anschließend bewusst zu genießen. Auch die Tageszeit, sollte stets bei der Nahrungsaufnahme berücksichtigt werden – nach ayurvedischem Gesetz ist das Mittagessen die wichtigste Mahlzeit am Tag. Einen großen Einfluss üben außerdem die verschieden Jahreszeiten auf unseren Organismus, nicht ausschließlich hinsichtlich der Ernährung, aber eben auch da gibt es einiges zu beachten. Ähnlich, wie bei den Doshas gilt es hier ebenfalls sich ideal auf die jeweilige Zeit im Jahr einzustellen, um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Die Heilkunst, welche auf jahrhundertealte Lehren indischer Autoren zurückgeht und sich mit den individuellen Gegebenheiten des Körpers im Verhältnis zum Makrokosmos der Erde auseinandersetzt lehrt also, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und diese in Einklang mit den äußeren Einflüssen dieser Welt zu bringen – falls dich das Prinzip von Ayurveda nun gepackt hat, so gibt’s hier noch ein köstliches Sommerrezept zum selber ausprobieren!
REZEPT // Zoodles in Dill-Joghurt-Sauce
Jetzt im Sommer steigen die Temperaturen an den Zenit, denn dieser steht ganz im Zeichen der Elemente Feuer und Wasser. Um das Gleichgewicht nicht aus den Fugen geraten zu lassen gilt es nun auf Lebensmittel zu setzen, welche die gegenteiligen Eigenschaften der heißen und feuchten Jahreszeit aufweisen. Am besten greift man also zu Produkten, die eine kühlende, beruhigende und trocknende Wirkung haben. Dazu zählen insbesondere Gemüsesorten, wie Zucchini, Brokkoli und Fenchel, Milch, Quinoa und Reis sowie süße, saisonale Früchte, außerdem Mungobohnen, Tofu oder mageres, weißes Fleisch oder Fisch und aber auch kühlende Gewürze und Kräuter, wie beispielsweise Koriander und Kurkuma. Als kleine Anregung gibt’s hier nun noch ein leckeres Zucchini-Nudel Rezept. Lass’ es dir schmecken und schönen Sommer noch!

Zutaten:
250 ml Wasser
2 Zucchini
½ Bündel Dill
280 g Bio-Joghurt
1 EL Zitronensaft
½ TL Kurkumapulver
½ TL Salz
1 Prise Pfeffer
Zubereitung:
Bringe das Wasser mit etwas Salz in einem Topf zum Kochen. Währenddessen die Zucchini mithilfe eines Spiralschneiders zu Nudeln schneiden. Hier können nach Belieben auch ein paar frische Karotten daruntergemischt werden. Die Nudeln sollten dann am besten in einen Dampfgareinsatz gegeben werden und so dann ca. 3 Minuten im Wasser gekocht werden. Sind die Zoodles al dente, rasch in einem Sieb abtropfen lassen. Für die Sauce werden alle restlichen Zutaten in einer Schüssel miteinander vermengt. Schließlich die warmen Nudeln auf einem Teller anrichten und die Dill-Joghurt-Sauce darübergeben – Mahlzeit!
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