** Nachwuchs top, Olympia flop: “Österreich fehlt ein modernes Verständnis von Leistungssport”
**Premium Content / Peter „Schrotti“ Schrottmayer im Interview
Peter Schrottmayer studiert Lehramt Bewegung und Sport, sowie Sportwissenschaften an der Universität Wien. Der begeisterte Biker aus dem Flachland Österreichs, der Bundeshauptstadt Wien, ist auch in das Projekt „Wienerwald-Trails“ eingebunden und verhalf den Großstadt-Shreddern damit zu einem beachtlichen Netzwerk an offiziellen Bikerouten. Damit nicht genug, betreut er auch junge SportlerInnen in seinem Heimatverein dem URC Bikerei aus Korneuburg und ist mit Österreichs Nachwuchshoffnungen aus dem Landeskader Niederösterreich unterwegs. Wenn Peter etwas anpackt, dann so richtig, mit einer ganzen Menge Hintergedanken und ein paar Visionen im Gepäck. Wie das alles zusammenpasst? Das haben wir uns auch gefragt. Ein Interview mit Peter „Schrotti“ Schrottmayer mit klaren Aussagen über die Wienerwald-Trails, den österreichischen Bike-Nachwuchs und Österreichs Verständnis von Spitzensport.
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Peter, lass uns mit deiner Geschichte beginnen. Wie kamst du zum Biken und welchen Stellenwert nimmt das Rad mittlerweile für dich ein?
Das Mountainbike ist schon seit meiner Kindheit ein treuer Begleiter. In den Mittelpunkt meiner sportlichen Betätigung rückte es gegen Ende meiner Schulzeit und entwickelte sich bis heute auch zum Mittelpunkt meines Lebens.
“Die Vielfalt und Abwechslung macht für mich den Reiz des Mountainbikens aus.”
Was macht für dich das Biken heute aus & wo hast du am meisten Spaß auf zwei Rädern?
Die Kombination aus Freundschaft, Naturerlebnis und sportlicher Betätigung – je nachdem was sich gerade ergibt, steht ein anderes Motiv im Vordergrund. Die Vielfalt und Abwechslung macht für mich den Reiz des Mountainbikens aus. Den meisten Spaß habe ich momentan auf meinem Enduro, aber mindestens ebenso wichtig sind für mich andere Emotionen wie Genuss und Zufriedenheit beim Tourenfahren und Bike-Bergsteigen, oder der Erfolg bei der Bewältigung fahrtechnischer Herausforderungen beim Vertriden.
Warum Bike & Hike?
Das gemeinsame Bergerlebnis mit Freunden in der einsamen Umgebung des Hochgebirges ist ein großer Ruhe- und Zufriedenheitspol in meinem Leben, egal ob mit Bike am Rücken, oder angeseilt und mit Steigeisen an den Füßen. Die Herausforderungen des Bergabfahrens ermöglichen es mir, mich in meinem Grenzbereich zu bewegen und diesen zu verschieben. Sowohl physisch als auch psychisch suche ich diese intensiven Erlebnisse in der Auseinandersetzung mit mir und meinem Können, die mir im typischen Alltag nicht unterkommen.

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Demnach eher verwinkelter Gebirgstrail als Flowcountry?
Ja, aber ohne die Abwechslung wäre auch das bald fad.

Man merkt schnell, dass dir Vielfalt auch auf zwei Rädern wichtig ist. Hast du trotzdem eine Vorstellung von dem perfekten Tag auf dem Bike?
Ja, das würde dann in etwa so aussehen: Nachmittagsaufstieg auf einen einsamen Dreitausender gemeinsam mit Freunden, Sonnenuntergang beim Gipfelkreuz, Biwak unterm Sternenzelt, Frühstück bei Sonnenaufgang, ein genialer Trail bergab, Abkühlung in einem Bergsee und ein großes Eis im Tal.
Der perfekte Tag auf dem Bike: “Nachmittagsaufstieg auf einen einsamen Dreitausender gemeinsam mit Freunden, Sonnenuntergang beim Gipfelkreuz, Biwak unterm Sternenzelt, Frühstück bei Sonnenaufgang, ein genialer Trail bergab, Abkühlung in einem Bergsee und ein großes Eis im Tal.”
Bevor wir so richtig loslegen: Was muss man noch über deine Person wissen?
Ich bin immer in Bewegung, denke sehr rational, bin bei meinen Interessen sehr perfektionistisch und ständig auf der Suche nach Möglichkeiten mich selbst weiter zu entwickeln und andere weiter zu bringen.
Momentan schaufelst du kräftig an der Skills-Area im Trailcenter Hohe Wand Wiese. Erzähl doch einmal wie sich das ganze Projekt entwickelt hat.
Aus dem Verein Wienerwald Trails haben Ende 2015 ein paar Personen ein Konzept für die neue Nutzung der Hohen Wand Wiese Wien eingereicht und bei der öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag bekommen. Darin vorgesehen war das, was wir heute sehen, also die weiterbestehende Sommerrodelbahn, das Bistro und das Mountainbikeangebot mit MTB-Infrastruktur, der Bikeschule und dem Shop, sowie die partielle Nutzung des Schleppliftes für Biker. Mein Part ist die sportliche Leitung der Bikeschule. Ziel ist es, wie schon von den Wienerwald Trails bei ihrer Gründung definiert, das MTB-Angebot rund um die Metropole Wien zu attraktiveren, damit es den aktuellen Bedürfnissen der Mountainbiker und Mountainbikerinnen entspricht.

“Ziel ist es, das MTB-Angebot rund um die Metropole Wien zu attraktiveren.”
Die neuen Trails im Wienerwald gingen also mit dem Aufbau des Vereins Wienerwald Trails einher?! Welche Menschen sind hier die treibenden Kräfte und wo liegt dein Aufgabenbereich?
Richtig! Die Wienerwald Trails wurden 2014 mit dem schon angesprochenen Ziel gegründet. Von Anfang an war klar, dass dies nur in Kooperation mit allen betroffenen Parteien möglich ist, woraus sich die MTB-Plattform Wienerwald entwickelte, bei der der Biosphärenpark Wienerwald, die großen Grundbesitzer, die Vertreter der Wanderer, die Verantwortlichen des vorhandenen MTB-Streckennetzes und eben die Wienerwald Trails an einem Tisch zusammensitzen und gemeinsam versuchen diese Ziele umzusetzen. Mit dem von der Community errichteten Trailpark Weidlingbach, der Freigabe von attraktiven Shared-Trails und dem Trailcenter Hohe Wand Wiese, in dem gerade ein weiterer von der Community über Crowdfunding finanzierter Trail gebaut wird, haben wir in der kurzen Zeit schon sehr viel erreicht. Der Verein besteht aus ganz normalen MTB-Enthusiasten und jeder und jede ist eingeladen sich aktiv zu beteiligen. Wir sind einfach der Überzeugung, dass es sich lohnt sich hier zu engagieren und Initiative zu zeigen, was durch unsere Erfolge auf jeden Fall bestätigt wird. Ich bin mit Kollegen hauptsächlich für die Konzeptentwicklung der Shared-Trails und den Betrieb der beiden Strecken in Weidlingbach zuständig. Das bedeutet Beschilderung, Rettungskonzept, Trailpflege, etc.. Man hilft aber natürlich, wo man kann.

Offizielle Trails, Bike-Community, Grundstücksbesitzer, Jäger und Förster – oftmals sind Projekte auch schon an solchen Kombinationen gescheitert. Wie war das bei euch?
Grundsätzlich war allen klar, dass es im Wienerwald aufgrund des massiven Nutzerdrucks Handlungsbedarf gibt. Durch die Gründung des Vereins bekam die Community ein Sprachrohr und die anderen Parteien einen Ansprechpartner. Eine win-win-Situation für alle Seiten! Auch wenn der behördliche Weg etwas bremsend wirkt, haben wir in vier Jahren eine deutliche Verbesserung des MTB-Angebots erreicht, sind aber noch lange nicht an unserem Ziel.

Was ist denn in Zukunft noch geplant im Biosphärenpark Wienerwald?
In erster Linie die weitere Verfolgung unseres Ziels: ein attraktives und zeitgemäßes Angebot für Mountainbiker und -innen. Die eine oder andere größere (Renn-)Veranstaltung und die Vergrößerung der aktiven MTB-Community, die auch bereit ist, abseits vom Bike, etwas Zeit für ihren Lieblingssport bereitzustellen.
Was deine Vorlieben auf zwei Rädern betrifft, ist euch da etwas gelungen, wo du sagen kannst: „Wir haben uns da den perfekten Trail gebaut!“
Für mich ist es ein Cross-Country Paradies. Einfach aufgrund der Abwechslung von feinen Singletrails mit den flowigen und spaßigen Strecken von Weidlingbach und auf der Hohen Wand Wiese.
“Wir trauten uns fast keine Erwartungen zu formulieren. Es waren mehr Hoffnungen, da es bisher in Österreich ja nichts Vergleichbares gegeben hat. Natürlich sind wir glücklich und auch stolz auf die Community.”
Apropos gebaut: Du hast vorher schon erwähnt, dass der Streckenbau über Crowdfunding finanziert wurde. An ausgerufenen Schaufeltagen haben die zukünftigen Nutzer dann selber angepackt. Hättet ihr euch gedacht, dass das so gut funktioniert?
Wir trauten uns fast keine Erwartungen zu formulieren. Es waren mehr Hoffnungen, da es bisher in Österreich ja nichts Vergleichbares gegeben hat. Natürlich sind wir glücklich und auch stolz auf die Community.
Wer nützt das neue Streckennetz hauptsächlich? Denkst du es konnten viele neue Gesichter für unseren Sport gewonnen werden, oder sind dieselben Leute wie vorher im Wienerwald unterwegs?
Es gibt quantitative Daten zur Nutzerfrequenz, aber noch keine qualitativen Daten zu den Nutzern. Von meinem Gefühl her sehe ich nun aber deutlich mehr Familien auf ihren Bikes im Wienerwald.
Werden also die Shared Trails deiner Meinung nach auch für mehr Bike-Nachwuchs sorgen und das auch im XCO-Bereich?
Das wäre auf jeden Fall wünschenswert! Gerade für XCO ist das Angebot im Wienerwald hervorragend, es fehlen jedoch leider Vereine in Wien, die es nutzen könnten.
Mir begegnen immer mehr Biker mit schwerem Gerät im Wienerwald. Was meinst du, allgemeiner Trend oder Aussterben der Ausdauer-Schiene?
Ersteres auf jeden Fall sehr stark, die Ausdauer-Schiene ist sicher am abnehmen, wird aber nicht aussterben.
Dein Statement zu Enduro?
Macht sehr viel Spaß, aber Vollgas bergab bitte nur auf Bike-only Strecken!

Wenn wir schon bei Meinungen zu Biketrends sind, deine zu E-Bikes:
Normale E-Bikes sind eine geniale Sache hinsichtlich der Mobilität, die sie bieten. Bei den E-MTB‘s bin ich mir selbst noch nicht so sicher. Macht auch sehr viel Spaß, fühlt sich aber als Sportgerät mehr nach Motorcross an. Daher bin ich im Wald noch eher skeptisch, auch weil es zusätzliche Probleme der Wegenutzung mit sich bringt.
Kommen wir zurück zum Nachwuchs! Du bist Diplomtrainer in Ausbildung. Schildere uns einmal kurz deine Rolle in der Nachwuchsförderung.
Ich bin Trainer des URC Bikerei in Korneuburg, einem der größten Nachwuchsvereine Österreichs und trainiere bis zu dreimal pro Woche gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen. Außerdem bin ich seit heuer Landestrainer des niederösterreichischen Radsport-Nachwuchses und habe dadurch die Möglichkeit über ein zumindest dreijähriges Projekt die Nachwuchsarbeit auf niederösterreichischer Verbandsebene professionell aufzubauen und damit die Vereine und Athleten direkt zu unterstützen.
“In den letzten Jahren haben im MTB-Bereich einige junge und engagierte Trainer wichtige Positionen im Verband übernommen, leisten großartige Arbeit und bauen seither gute Nachwuchsstrukturen auf.”
Du bist also eng in die Arbeit des ÖRVs eingebunden. Was denkst du läuft gut und was schlecht, was die Nachwuchsarbeit in Österreich betrifft?
In den letzten Jahren haben im MTB-Bereich einige junge und engagierte Trainer wichtige Positionen im Verband übernommen, leisten großartige Arbeit und bauen seither gute Nachwuchsstrukturen auf. Langsam aber doch bringt das etwas Schwung in die anderen Disziplinen und auch in höhere Ebenen im Verband, die typisch österreichisch stark verrostet sind. Es gibt einige Zellen in Österreich die wirklich sehr gute Nachwuchsarbeit leisten. Um diese herum muss ein Verbands- und Vereinssystem aufgebaut werden, das flächendeckend ein attraktives Angebot für Kinder und Jugendliche bietet. Nur so können wir langfristig auf einer breiten Basis an Nachwuchs aufbauen und neben all den positiven Aspekten im Breitensport auch kontinuierlich Hochleistungssportler und -innen hervorbringen.

“Vereine müssten kooperieren und zusammenarbeiten, anstatt sich gegenseitig um den Nachwuchs zu streiten. Das Denken im österreichischen Sport ist da leider auf allen Ebenen sehr kurzfristig und engstirnig.”
Ist es das was uns auf Bike-Nationen wie der Schweiz und Frankreich fehlt?
Ja! Zusätzlich zu den genannten Punkten aber auch ein moderneres Verständnis von Leistungssport. Nicht nur im Radsport hat Österreich ein massives Problem der Frühspezialisierung. Das ist einerseits nachteilig hinsichtlich der allgemeinen psycho-physischen Entwicklung der Kinder und andererseits auch hinderlich am Weg zur Weltspitze. Es herrscht immer noch die Meinung man muss ausschließlich Rennradfahren, um auf der Straße schneller zu werden, und das am besten schon mit zehn Jahren. Aus dieser Frühspezialisierung resultiert die enorme Drop-out-Rate nach der Pubertät und mittlerweile ist es auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie langfristig die maximale Leistungsfähigkeit verringert. Darum sind wir in den Nachwuchskategorien top und bei Olympia ein Flop. Die Vielseitigkeit über unterschiedlichste Sportarten und Bewegungsformen gehört gefördert und ein dementsprechendes Wettkampfformat im Kinder- und Jugendsport installiert. Vereine müssten kooperieren und zusammenarbeiten, anstatt sich gegenseitig um den Nachwuchs zu streiten. Das Denken im österreichischen Sport ist da leider auf allen Ebenen sehr kurzfristig und engstirnig.
“Darum sind wir in den Nachwuchskategorien top und bei Olympia ein Flop.”
Wie lautet demnach deine Vision zum Nachwuchs-Sport?
Als Erstes ein klares politisches Statement wozu wir Sport im Allgemeinen und Hochleistungssport im Speziellen in Österreich brauchen. Was sind unsere übergeordneten Ziele, was sind diese unserem Land und unserer Gesellschaft wert? Dementsprechend braucht es ein klares sportpolitisches Ziel und Konzept. Das beste Beispiel dafür ist Kanada, die haben mit „Canadian sports for life“ ein ganz klares Konzept, wie Bewegung und Sport in der Gesellschaft integriert sein soll. Aus dem heraus stellt der Hochleistungssport einen kleinen Teil dar, der aber genau weiß wozu er da ist und mit welchen Geldern er arbeiten kann. Als Zweites eine Entpolitisierung der Sportstrukturen und des Funktionärswesens. Und als Drittes Nachwuchskonzepte, die entsprechend dem aktuellen wissenschaftlichen Stand auf einen optimalen langfristigen Leistungsaufbau abzielen und alteingesessenen Funktionären und Trainern von oben her zeigen, wie man es besser macht. In unserem politischen System ist das aber leider vielmehr ein Traum als eine Vision, weshalb es weiterhin gilt, verbandsintern die gegebenen Möglichkeiten so gut es geht zu nutzen und mit viel Engagement und ehrenamtlicher Arbeit die bestmöglichen Trainingsbedingungen für unseren Nachwuchs zu schaffen. Ein brotloser, aber sehr erfüllender Job, wenn man sich an den wesentlichen Dingen bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erfreut und nicht ständig über die starren sportpolitischen Strukturen sudert.

“Durch den ständigen Wandel der Wettkampfstruktur gilt heutiges nicht mehr in fünf Jahren. Dementsprechend flexibel und breit aufgestellt müssen Athleten und Athletinnen in allen Bereichen der Leistungsfähigkeit sein.”
Die richtige Technik ist unentbehrlich auf höchstem XCO-Niveau. Wo denkst du ist das richtige Gleichgewicht zwischen körperlichen Leistungskomponenten und dem Gefühl für das Bike?
Durch den ständigen Wandel der Wettkampfstruktur hinsichtlich der Streckencharakteristik, Wettkampfdauer und dem fahrtechnischen Anspruch gilt heutiges nicht mehr in fünf Jahren. Dementsprechend flexibel und breit aufgestellt müssen Athleten und Athletinnen in allen Bereichen der Leistungsfähigkeit sein. Auf einer gut ausgebildeten breiten Basis lässt es sich sehr schnell spezialisieren, umgekehrt kann es sein, dass man jetzt etwas intensiv trainiert, was in fünf Jahren gar nicht mehr so wichtig ist.
Österreich kommt hier mit dem Technikbewerb durchaus eine Vorreiterrolle zu. Was Fahrtechnik betrifft sind wir also gut dabei. Denkst du das ging in den letzten Jahren auf Kosten der physischen Entwicklung unserer Nachwuchsfahrer?
Nein, auf keinen Fall. Den rasanten Anstieg der fahrtechnischen Anforderungen von Jahr zu Jahr kann man deutlich beobachten und für die langfristige Leistungsentwicklung ist das Verschieben des intensiven Ausdauertrainings um ein paar Jahre nach hinten auf jeden Fall positiv anzusehen.
Warum scheinen unsere jungen Bike-Mädls den Jungen im Moment ein bisschen davonzuziehen?
Die Dichte bei den Mädls und Frauen ist deutlich geringer als bei den Burschen und Männern und durch die sehr gute Arbeit einzelner Zellen zeigen sie gerade was möglich ist.
Der größte Fehler auf dem Weg in den Spitzensport?
Frühe Spezialisierung und Einseitigkeit.
Im Gegensatz zu anderen Sportarten, dem Skisport zum Beispiel, fehlt der klassische Weg zum Profibiker. Woran liegt das bzw. wie könnte dieser deiner Meinung nach aussehen?
Durch den starken Verband hat sich der Skisport ein eigenes schulisches Nachwuchssystem aufgebaut, das es für den Radsport nicht gibt. Wenn ich mir den Skisport anschaue, hat das aber auch positive Seiten. Der Drop-Out im Skinachwuchs ist enorm, die Aussteiger sind vielfach psychisch und physisch langfristig und einseitig überbelastet worden. Ich bin überzeugt davon, dass eine vielseitige sportliche Ausbildung im Kindesalter und dem Weg über eine Schule mit sportlichem Schwerpunkt alle Möglichkeiten für eine spätere Karriere im Hochleistungssport offenhält und auch fördert. Die Schulmodelle für Nachwuchsleistungssport sind eine super Sache mit einem tollen Konzept, dem die Professionalität in den einzelnen Schulen aber noch etwas hinterherhinkt. Ebenso nötig ist ein Umdenken von Eltern und Kindern, denn hier ist die Frühspezialisierung in den Köpfen noch sehr fest verankert. Dieses Umdenken ist aber nur durch entsprechend intensive Bildungsarbeit und Info-Kampagnen in allen Ebenen zu erreichen.
Können wir trotzdem etwas vom ÖSV lernen?
Verbandspolitik und -arbeit, bzw. Lobbying.
Abschließend: Warum sollte ein Wiener Jugendlicher zu biken beginnen?
Weil es eine geile und vielseitige Sportart ist und mit dem Wienerwald haben wir ein prädestiniertes Gebiet dafür. Außerdem könnte er sein Erwachsenenumfeld dazu bringen eine Ausbildung zu machen, um ein paar neue MTB-Vereine mit aktiver Nachwuchsarbeit in Wien zu gründen, damit hier endlich einmal das große Potential genutzt wird.
Muss man momentan noch von Glück reden, dass so ein Fall eintritt?
Ja, es sind immer besondere Einzelfälle bei denen MTB-Enthusiasten ihr Herzblut irgendwo hineinstecken, um etwas Neues zu starten. Sei es die Betreuung und Förderung einer kleinen Gruppe an Nachwuchsbikern, die Entwicklung einer attraktiven MTB-Infrastruktur oder der langfristige Kampf um bessere Verbandsstrukturen.
// ENDE
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