** Die unschlagbare Laura Stigger im Interview
**PREMIUM CONTENT// „Ich habe im tiefsten Inneren mit einer Medaille spekuliert. Dass es zu Gold reicht, hätte ich aber nie geglaubt.“ Zwei Cross-Country Junioren-Weltmeistertitel, vier Junioren-Europameistertitel, eine absolute Dominanz bei der UCI Junior Worldseries und nun zeigte Laura Stigger: Sie ist auch auf der Straße die Schnellste. Während sich die MTB-Konkurrenz an Stigger schon lange die Zähne ausbeißt, ließ sie nun – beim erst zweiten Straßenrennen ihrer Karriere – auch hier das gesamte Feld hinter sich und schnappte sich sensationell den Straßen-WM-Titel. Damit gelang der erst 18-jährigen Historisches! Sie ist Österreichs erste Rad-Weltmeisterin im Straßenrennen. Und das nicht einmal ein Monat, nachdem sie ihren Junioren-WM-Titel mit dem Mountainbike erfolgreich verteidigt hat. Mit uns spricht die Ötztalerin u.a. über ihre größten Stärken, die Angst vor Niederlagen und einen möglichen Wechsel auf die Straße.
Laura, du hast Ende September mit deiner Gold-Medaille bei der Straßen-WM die Radsportwelt auf den Kopf gestellt. Kannst du selbst deinen Erfolg mittlerweile fassen, die Goldmedaille realisieren?
Ehrlich gesagt hat es hat schon einige Zeit gedauert, bis ich das alles realisiert habe. Ich bin jedoch unmittelbar nach dem Rennen zu den Olympischen Jugendspielen nach Buenos Aires gereist. So konnte ich etwas Abstand gewinnen, was sehr gut war.
Und auch hier konntest du, gemeinsam mit deiner Team-Kollegin Hannah Streicher, mit einer Silber-Medaille nach Hause reisen. Was ist dein persönliches Resümee zu den olympischen Jugendspielen?
Es war in aller erster Linie ein unvergessliches Erlebnis, das olympische Flair mitzuerleben. Von Olympia habe ich schon als kleines Kind geträumt. Da jetzt dabei gewesen zu sein, war das Größte überhaupt.
Zurück zur Straßen-WM. Du warst kurz vor dem Bewerb gesundheitlich nicht fit. Wie hast du deinen Körper/Kopf bis zum Tag x fit bekommen?
Es stimmt, dass ich durch eine Verkühlung leicht angeschlagen war. Fieber hatte ich allerdings nicht, sonst hätte ich keinesfalls meine Gesundheit riskiert. Zu Beginn des Rennens hatte ich dann auch noch etwas schwere Beine. Die hab’ ich dann aber auf den ersten Kilometern locker gestrampelt.
Konntest du im Vorfeld selbst an eine Medaille, vielleicht sogar an ein mögliches Gold glauben?
Ich habe im tiefsten Inneren mit einer Medaille spekuliert. Dass es zu Gold reicht, hätte ich aber nie geglaubt.
Ist es überhaupt möglich, eine Medaille zu gewinnen, ohne es sich selbst zu zutrauen?
Ich würde sagen, dass das Zutrauen der eigenen Leistung schon ein ganz essentieller Baustein für den persönlichen Erfolg ist. Als Sportler ist es einfach grundsätzlich wichtig, über eine gesunde Portion Selbstvertrauen zu verfügen. Sonst kannst du kein Rennen erfolgreich bestreiten.
Wie würdest du die medialen Auswirkungen deines Erfolgs auf MTB/Straße vergleichen? Ich nehme an, nach der Goldenen auf der Straße erreichte das Ganze doch eine andere Dimension!? Macht dich das in Bezug auf den MTB-Sport auch irgendwie traurig?
Traurig jetzt nicht wirklich. Ich war überrascht, was da nach dem Sieg in Innsbruck alles los war. Aber man muss das auch relativieren. Es war eine Weltmeisterschaft im eigenen Land und ich habe quasi vor der eigenen Haustür gewonnen. Für die heimischen Medien ist das dann natürlich ein guter Aufhänger.
„Ich komme vom Mountainbike und mein Herz hängt an diesem Sport.“
Ich habe gelesen, dass du im Herzen Mountainbikerin bist. Kommt für dich ein Wechsel auf die Straße dann überhaupt in Frage?
Das stimmt! Ich komme vom Mountainbike und mein Herz hängt an diesem Sport. Einen Wechsel auf die Straße wird es eher nicht geben, auch wenn es dort zuletzt super gelaufen ist. Aber ich fahre einfach liebend gern über Stock und Stein und genieße die Natur. Auch glaube ich, dass es letztlich dann wieder wichtig ist, sich auf eine Disziplin zu fokussieren.
Apropos MTB-Disziplin: Zwei XCO Junioren WM-Titel, fünf Junioren EM-Titel, Dominatorin der UCI Junior Worldseries. Was ist dein nächstes Ziel?
Ich steige in der kommenden Saison von den Juniorinnen in die U23-Klasse auf. Da ist es mein Ziel, mich möglichst schnell zu etablieren. Ab sofort geht’s in den Rennen nochmal anders zur Sache.
Du giltst als Wunderkind des Radsports. Wenn es nach der Meinung von Szene-Insidern geht, bis du die Olympiasiegerin von Tokio 2020. Wie geht es dir mit dieser Suggestion?
Boah, mit so Begriffen wie Wunderkind kann ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen. Natürlich braucht man ein gewisses Talent, aber letztlich steckt hinter allem harte Trainingsgarbeit. Um einen Olympiasieg zu schaffen, muss ganz, ganz viel zusammenpassen. Also ich versteife mich jetzt überhaupt nicht auf diesen Gedanken. Ich möchte einfach gerne mit dabei sein.
In unserem letzten Interview hast du gemeint, dass der XCO-Sport zu einem sehr großen Teil Kopfsache ist. Bist du immer noch derselben Meinung? Macht dich nur der Kopf zur permanenten Siegesfahrerin?
Mentale Stärke ist ein wesentlicher Faktor im Radsport. Wenn du im Kopf nicht stabil bist, kannst du nicht um den Sieg mitfahren. Nur der Kopf alleine ist es natürlich auch nicht. Man muss schon auch permanent und hart trainieren. Von nichts kommt nichts.
Und was machst du dafür, im Kopf so stark zu sein?
Nichts Spezielles. Ich glaube, dass ich da einfach mit einer gewissen Stärke von Haus aus gesegnet bin.
Ist das vielleicht sogar deine größte Stärke?
Würde ich schon sagen, aber sicherlich auch mein Trainingseifer.
Und wie sieht es mit Angst vor Niederlagen aus? Mit zunehmendem Alter, Erfolg und mehr Sponsoren wächst auch der Druck. Man ist gewohnt, dass du einfach IMMER ablieferst.
Ich steige jetzt in die U23-Klasse auf. Da kann ich wirklich nicht davon ausgehen, dass ich weiterhin alle Rennen gewinne. Natürlich will ich ständig um den Sieg mitfahren und gebe immer Vollgas. Aber die Konkurrenz schläft ja auch nicht. Dementsprechend werden Niederlagen kommen. Und davor habe ich gewiss keine Angst. Meine Sponsoren üben überhaupt keinen Druck auf mich aus. Also ich kann wirklich sagen, dass ich keine Angst habe.
„Ich habe keine Angst vor Niederlagen.“
Das heißt, du stehst ganz ohne Druck am Start?
Ein gewisser Druck gehört dazu. Aber das nehme ich als positive Anspannung war. Die gehört dazu, um die nötige Power für ein Rennen aufzubauen.
Gibt es Dinge, auf die du wegen deiner sportlichen Laufbahn verzichten musst?
Spitzensport bedeutet manchmal auch Verzicht. Aber ganz ehrlich: Wenn man das machen kann, was man liebt, dann nimmst du das gar nicht wahr. Ich bin rundum zufrieden, so wie es ist.
Also dich nervt dieser Verzicht auch nicht?
Nein, überhaupt nicht. Wie gesagt, ich bin happy.
Was interessiert dich abseits des MTB-Sports?
Ich interessiere mich generell viel für Sport. Im Winter etwa mache ich ausgedehnte Skitouren oder gehe auch Langlaufen. Das sind dann auch gleich ideale Ergänzungen zum Radsport.
Und was fasziniert dich speziell am Radsport?
Ganz klar die Bewegung in der freien Natur. Du kannst bei diesem Sport einfach ganz brutal viele Eindrücke gewinnen. Außerdem liebe ich es, ans Limit zu gehen.
Ist Training für dich immer Vergnügen?
Ja, für mich auf jeden Fall. Weil ich es einfach liebe, an meine Grenzen zu gehen.
Von wen konntest du in Sachen MTB am meisten lernen?
Ganz klar von meinem Trainer Rupert Scheiber, der immer für mich da ist.
Wer ist dein Vorbild?
Das waren für mich immer Lisi Osl und die Schweizerin Jolanda Neff. Es ist toll, was die beiden schon erreicht haben. Mit Lisi konnte ich bereits mehrere Ausfahrten machen und wird sind jetzt schon richtig befreundet. Das ist cool.
„Wenn du im Kopf nicht stabil bist, kannst du nicht um den Sieg mitfahren.“
Was war der schönste Ort, den du mit dem Rad besucht hast?
Da kann ich keinen speziellen nennen, da ich schon in unzähligen schönen Gegenden war. Jede einzelne hatte ihren besonderen Reiz. Und ich freue mich immer wieder aufs Neue darauf, auf dem Rad Regionen zu erkunden. Am liebsten bin ich aber zu Hause im Ötztal unterwegs, da mir da mir da von Singeltrails bis Downhills alles geboten wird.
Du besuchst das Sport-Borg in Innsbruck. Wie vereinbarst du die Schule und den MTB-Zirkus?
Die Schule ist da sehr entgegenkommend. Wir werden für Wettbewerbe und Trainingsblöcke freigestellt. Sonst wäre das alles überhaupt nicht machbar.
Steht das Bike oder die Schule an erster Stelle?
Natürlich lebe ich fürs Biken. Aber eine schulische Ausbildung ist wichtig. Da lege ich auch ganz großen Wert darauf.
Weißt du schon was du nach der Matura machen willst?
Ich habe jetzt noch eineinhalb Jahre Schule vor mir. Was danach kommt, hängt auch sehr viel von meiner sportlichen Laufbahn ab. Das muss man sich dann in Ruhe überlegen und eine vernünftige Entscheidung treffen.
Hättest du einen Wunsch frei, was würdest du in deinem Leben ändern?
Gar nichts, ich finde es cool, so wie es ist.
Für welches Team wirst du nächstes Jahr an den Start gehen?
Die Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen. Wir werden uns das in den nächsten Tagen und Wochen alles genau anschauen.
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Bilder: Red Bull Content Pool; Mirja Geh /ServusTV; Neumayr Leo/ GEPA pictures /








