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**So gehen Österreichs MTB-Profis mit der Corona Krise um

**So gehen Österreichs MTB-Profis mit der Corona Krise um

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**So gehen Österreichs MTB-Profis mit der Corona Krise um

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**PREMIUM CONTENT// Profisportler besitzen bekanntlich die Fähigkeit kühlen Kopf zu bewahren und auf Ungeplantes adäquat zu reagieren. Uns hat interessiert, ob das auch auf eine weltweite Pandemie zutrifft. Österreichs Profis – Lisa Pasteiner, Alban Lakata, Maximilian Foidl und Daniel Geismayr – im Gespräch über Einschränkungen, Motivation und den vagen Blick in die Zukunft:

Rennen werden abgesagt, der Gesellschaft Beschränkungen auferlegt und ganze Bundesländer unter Quarantäne gestellt. Die ganze Welt befindet sich aktuell in einer Situation, die jeglichen Spitzensport in den Hintergrund rücken lässt. Und doch kann dieser nicht einfach so abgedreht werden. Die Berufsausübung von Profis beschränkt sich nämlich nicht auf regelmäßige Rennteilnahmen. Der wesentlich größere Teil ihres Betätigungsfeldes ist die Vorbereitung dieser und kann auf die Aneinanderreihung einzelner Trainingstage herunter gebrochen werden. Diese gleichen in „Corona-Zeiten“ nicht mehr jenen vor dieser Krise:

Daniel, du hast über Instagram schon Einblicke in deinen Trainingsalltag zu Coronazeiten gegeben. Wie musstest du diesen denn umstellen?

@DANIEL Geismayr:

Als es mit Corona so richtig losging, fand natürlich viel von meinem Training auf der Rolle statt. Da wurde Zwift ausprobiert und dort auch das eine oder andere Rennen gefahren. Das fand ich eigentlich ganz cool, auch wenn es natürlich nicht an draußen herankommt. Da brauch ich schon die Natur!Kraft- und Stabilisationstraining habe ich immer im Konzept, das wurde jetzt aber noch einmal forciert, da es zum Motto #trainindoor natürlich super passt. Hier kann man sich auch immer neue Ziele setzen und an Schwächen arbeiten.

„Zwift-Races sind eigentlich ganz cool, auch wenn diese vielleicht sogar schwerer zu gewinnen sind, als normale Rennen. Da drängt sich die Frage auf, wie seriös das Ganze ist.“

@Daniel Geismayr

@MAX Foidl:

Ich war zu Beginn der Krise, Anfang März, noch auf Trainingslager in Girona. Von „alles noch normal“, zum Stress noch nach Hause zu kommen, ging alles relativ schnell. Mir war dann auch gleich einmal klar geworden, dass ein Großteil der Saison ausfallen würde. Nach dem Trainingslager zurück in Quarantäne hat sich das erstmal für eine kleine Pause angeboten.

@LISA Pasteiner:

Auch ich bin erst relativ spät vom Teamtrainingslager aus Südafrika heimgekommen. Statt wieder zur Standeskontrolle des Bundesheeres, hieß es dann natürlich zuhause bleiben. Die Ruhewoche nach dem Trainingsblock mit Ghost war sowieso geplant und wurde dann nachfolgend gleich einmal verlängert.

Was das Training betrifft, sind wir als Radfahrer glücklicherweise nicht auf allzu viel Logistik angewiesen. Krafttraining und Co. gehören natürlich trotzdem dazu, wie seid ihr damit umgegangen? 

@MAX:

Die ganze Trainingsbetreuung fiel natürlich erstmal weg, aber die sehe ich sowieso immer in gewisser Weise als Bonus. Auf der anderen Seite wurde mir dafür früher als gedacht mein Traum vom eigenen Homegym erfüllt. Dieses befindet sich momentan in Form von Langhantel, Gewichten und Co. im Kofferraum meines Autos. Etwas anders, als ursprünglich gedacht, aber doch ziemlich cool. Also, als Radfahrer findet man schon Lösungen! 

 „Ich habe mir mit Langhantel, Gewichten und Co. in meinem Kofferraum endlich meinen Traum vom Homegym erfüllt. Etwas anders, als ursprünglich gedacht, aber doch ziemlich cool! Also, als Radfahrer findet man schon Lösungen.“ 

@Maximilian Foidl

@LISA:

Ja, im Training gab es klarerweise ein paar Einschränkungen. Das Krafttraining findet normalerweise im Union Sportpark Graz statt. Nun wurde das mit Hexbar und Langhantel auf der Straße vor dem Haus absolviert. Natürlich nicht das Gleiche, aber eigentlich eine coole Abwechslung und mein Programm konnte ich so beibehalten.

@DANIEL:

Ich bin im Moment echt froh, dass ich Radfahrer bin. Vor allem Teamsportler haben es gerade nicht leicht, wenn man da an die Trainingsstätten denkt. Selbst ein Triathlet ist auf ein Pool angewiesen, da fällt schnell einmal ein großer Teil vom Training weg.

@ALBAN Lakata:

In den 3 Wochen Quarantäne habe ich als Tiroler natürlich viel auf der Rolle trainiert. Da bin ich schon an meine Grenzen gekommen. Jetzt, wo ich auch wieder draußen fahren kann, versuche ich diese wieder anders auszuloten. Mir gehen da auch mit 40 Jahren die Ideen nicht aus. Herausforderungen wie Trainingswochen mit täglich 200 km und 3.000 hm bringen da Motivation.

„Die 3 Wochen waren für mich absolutes Limit, das habe ich dann fast nicht mehr durchgedrückt. Die Natur und die Bewegung im Freien gehen mir da sehr ab.“

@Alban Lakata

Wer trainiert, der braucht Motivation. Profisportler benötigen eine Menge davon und ziehen einen Großteil dieser aus ihren Zielen. In weiter Ferne liegende, sehnlichst herbeigesehnte Fixpunkte bilden die Grundlage für Trainingsplanung und Priorisierung verschiedenster Schwerpunkte. Jeder dieser erhält in den einzelnen Vorbereitungsphasen unterschiedlich viel Fokus. Auch der Trainingstag an sich ist in verschiedene Blöcke und Ziele unterteilt. Wer es schafft auf die kleinsten Bausteine fokussiert zu bleiben, dem wird nicht nur die Zeit bis zum Tag X vertrieben, sondern der wird dort auch top vorbereitet ankommen. Erfolgreiche SportlerInnen sind es also gewohnt im hier und jetzt zu bleiben und dabei von Tag zu Tag und Einheit zu Einheit zu leben. Fallen die eigentlichen Ziele aber weg, kommt es trotzdem zu Problemen: 

Keine leichte Situation vorm eigentlichen Saisonstart so abrupt den Fokus umlenken zu müssen!

@MAX:

Ja, plötzlich gibt’s keine Möglichkeiten, sich konkrete Ziele zu stecken. Wer weiß, ob es heuer überhaupt noch Wettkämpfe gibt. Vor allem auf die Heim-EM habe ich mich schon sehr gefreut. Mit der wäre ich auch so richtig in die Olympiaquali gestartet, die natürlich auch hinfällig ist im Moment. 

@LISA:

Kein Ziel mit festgelegtem Datum vor Augen zu haben, ist natürlich ungewöhnlich. Wenn eine Saison da einfach so mal „ausfällt“, ist das als Sportler ein Ausnahmezustand. Die EM in Graz und  die Olympischen Spiele waren natürlich die großen Ziele für heuer. Da wollte ich mit der guten Teamstimmung aus Südafrika im Gepäck schon auf die letzte Saison aufbauen.

Aber die Situation hat auch positive Seiten! Ich bin noch relativ jung, für mich heißt ein Jahr später nur ein Jahr mehr Vorbereitungszeit, da ist es sicher kein Nachteil, dass Tokyo erst 2021 stattfindet. Und im Training ist aktuell absolut kein Stress und einmal Zeit für Sachen, die sonst vielleicht zu kurz kommen. 

 „Ich bin noch relativ jung, für mich heißt ein Jahr später nur ein Jahr mehr Vorbereitungszeit, da ist es für mich sicher kein Nachteil, dass Tokyo erst 2021 stattfindet.“

@Lisa Pasteiner

@MAX:

Ich bin für mich dann schnell draufgekommen, dass das Ganze eigentlich eine ziemlich coole Chance ist. Normal wäre es undenkbar einfach ein Jahr auszusetzen. Da ist jetzt richtig viel Zeit, ein paar Sachen, die ich im Winter nachjustiert habe, wirklich weiter zu treiben, Versäumtes nachzuholen und Neues zu probieren. Und das an einem Punkt, wo ich nicht das Gefühl habe schon alles ausgereizt zu haben. 

 „Ich bin für mich dann schnell draufgekommen, dass das Ganze eigentlich eine ziemlich coole Chance ist. Normal wäre es undenkbar einfach ein Jahr auszusetzen und sich weiter zu entwickeln.“   

@Max Foidl

Alban, du bist einer der erfahrensten Fahrer der Szene. Hat man auf die Situation ein anderes Auge mit 20 Jahren Rennerfahrung im Gepäck?

@ALBAN:

Ich hätte vor einigen Jahren definitiv noch anders auf die Situation reagiert. Am Anfang der Karriere ist so ein massiver Cut schon schwer zu ertragen. Da will ich auch Vorbild sein für junge ambitionierte Fahrer, die es vielleicht auch noch nicht zum Profi geschafft haben, ihrem Sport treu zu bleiben. Was mich betrifft, will ich mich immer weiterentwickeln. Da zählen auch einmal Watt-Werte oder bestimmte Trainings. So versuche ich auch abseits meiner noch übrigen Ziele, wie dem Grand Raid oder einer weiteren WM-Medaille, am Ball zu bleiben.

@DANIEL:

Meine Ziele sind immer noch die Gleichen, da verliere ich auch nicht den Fokus. Bis dahin versuche ich zurzeit echt noch mal den Motor größer zu drehen. Wenn nicht jedes Wochenende ein Rennen ist, kann man da schon mal was ausprobieren und hat nicht so den Stress zu regenerieren. Jetzt, wo man die ersten Wettkämpfe absolviert und schon ein gewisses Niveau hat, kann man da auch ganz andere Reize setzen, als im Winter. Das ist schon eine spannende Situation.

(c) Stefan Kothner

 „Ich versuche zurzeit echt noch mal den Motor größer zu drehen. Wenn nicht jedes Wochenende ein Rennen ist, kann man da schon mal was ausprobieren und hat nicht so den Stress zu regenerieren. Das ist schon eine spannende Situation!“

@Daniel Geismayr

„Ich denke Spaß zu haben ist das Wichtigste, vor allem als Profi-Sportler!“, so Mathieu van der Poel einmal im Rahmen eines Interviews gegenüber seinem Sponsor Shimano. Und der Überflieger aus den Niederlanden ist bei weitem nicht der einzige Ausnahmekönner, welcher die Wichtigkeit des „Spiels“ im Sport in den Vordergrund stellt. Profis sind demnach nicht nur jene, die die härteste Arbeit leisten. Sie schaffen es auch, am meisten Genuss darin zu finden und ihr den ganz persönlichen Wohlfühlfaktor einzuhauchen. Bewegung an der frischen Luft, der heiß geliebte Coffeestop oder einfach eine gute Trainingsgemeinschaft – das sind nur ein paar „Lifestylezuckerl“ aus dem Leistungssport.

Was den heimischen Profis am meisten abgeht und wie sie dafür Abhilfe schaffen:

@MAX:

Trainingsgesellschaft fällt klarerweise einmal weg. Dafür ist jetzt, wo’s draußen wieder geht auch viel Zeit neue Routen auszuprobieren. Oft fährt man eh immer die gleiche Runde mit Trails, wo man jede Linie kennt. Neue Wege können da auch alleine Spaß machen! Und statt Coffeestops unterwegs, wird der Kaffeekonsum zuhause gerade zelebriert, wie nie zuvor. Meine Maschine bekommt nun mehr Aufmerksamkeit denn je.

@LISA:

Jetzt, wo die Lockerungen für Spitzensportler in Kraft getreten sind, gehen wieder lange Rennradausfahrten und man kann einmal ausgiebig „einfach nur Biken“ gehen. Mit dem aktuellen Wetter kann ich mich da also eigentlich nicht beschweren.

@DANIEL:

Am meisten gehen mir auf jeden Fall die Coffeestops ab. Gerade bei längeren Einheiten ist stehen bleiben und Kaffee trinken ein Ritual geworden. Aber das ist in der jetzigen Situation ins Verhältnis zu setzen und sicher auszuhalten.

Alban, denkst du, man kann da Erfahrungen aus dem Rennsport in solche Krisen mitnehmen?

@ALBAN:

Ja, ich denke mit der im Leistungssport antrainierten Willensstärke und dem Ehrgeiz kann man da schon einmal eine Krise überbrücken oder etwas vielleicht leichter durchstehen.

Für mich hat sich aber jetzt, wo ich wieder draußen fahren darf, die Sicht auf das Ganze doch ziemlich verändert. Da möchte ich auch alle daran teilhaben lassen, die das noch nicht können und meinen Sport zielstrebig und mit Freude vorleben. 

In jeder Situation mit einem Fuß in der Zukunft stehen, aktuelle Handlungen an gewünschte futuristische Visionen des eigenen Selbst zu knüpfen und laufend Entbehrungen in Kauf nehmen – Szenarien, die Profis auf jeden Fall gewöhnt sind. Der momentane Verzicht fiel die letzten Wochen allerdings anders aus, als SportlerInnen dies gewohnt sind.

Unterscheiden sich auch die daran geknüpften Belohnungen von den Erfolgserlebnissen des üblichen Wettkampfbetriebs?

@ALBAN:

Am meisten freue ich mich auf Trainings mit Kollegen. Freude und Leid zu teilen, gemeinsam Schweiß, ja fast Blut zu vergießen, bildet Freundschaften und formt den Charakter. Gruppendynamik und Spaß, den sie bringen, gehen jetzt natürlich ab.

 „Freude und Leid zu teilen, gemeinsam Schweiß, ja fast Blut zu vergießen,bildet Freundschaften und formt den Charakter. Gruppendynamik und Spaß, den sie bringen, gehen jetzt natürlich ab.“

@Alban Lakata

@MAX:

Wieder draußen fahren zu können, ist natürlich etwas wirklich Cooles. Kaffee mit Sonne im Gesicht in der Grazer Innenstadt, Essen bei GINKO, einem coolen Restaurant hier, und ein Besuch in der Heimat, die Dinge stehen ganz oben auf meiner To Do-Liste!

@DANIEL:

Mir fehlen nicht nur die Rennen, sondern auch mit dem Team unterwegs zu sein. Wir waren doch viel gemeinsam auf dem Weg über die letzten 10 Jahre und, wenn das einfach so wegfällt, ist das schon hart. Da freue ich mich schon wieder sehr darauf, aber meine Freundin bringt da Ausgleich. Statt wie sonst oft Wochen und Monate weg zu sein, sehe ich sie jetzt deutlich mehr. Das genieße ich schon sehr. 

@LISA:

Mir gehen nicht nur die Rennen, sondern vor allem deren Stimmung ab. Rennwochen im Weltcup, bei Europa- oder Weltmeisterschaften sind da schon etwas Besonderes. Ansonsten sind es normale Sachen, wie Essen gehen, Shoppen oder sich einfach ohne Maske draußen aufzuhalten.

 „Mir gehen nicht nur die Rennen, sondern vor allem deren Stimmung ab. Rennwochen im Weltcup, bei Europa- oder Weltmeisterschaften sind da schon etwas Besonderes.“

@Lisa Pasteiner
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